Wesen beurkundet sich eine Mischung von Unbehvlfenheit und Mut,von linkischer Magisterhaftigkeit und trotzigem Dvktorstolz, Nachdemer einige Lichter angezündet, und mit einem Schwerte verschiedenemagische Kreise auf dem Boden gezeichnet, öffnet er das große Buch,und in seinen Gebärden offenbaren sich die geheimen Schauer derBeschwörung. Das Gemach verdunkelt sich; es blitzt und donnert;aus dem Boden, der sich prasselnd öffnet, steigt empor ein flammendroter Tiger. Faust zeigt sich bei diesem Anblick nicht im mindestenerschreckt, er tritt der feurigen Bestie mit Verhöhnung entgegen undscheint ihr zu befehlen, sogleich zu entweichen. Sie versinkt auchalsbald in die Erde. Faust beginnt aufs neue seine Beschwörungen,wieder blitzt und donnert es entsetzlich, und aus dem sich öffnendenBoden schießt empor eine ungeheure Schlange, die, in den bedroh-lichsten Windungen sich ringelnd, Feuer und Flammen zischt. Auchihr begegnet der Doktor mit Verachtung, er zuckt die Achsel, er lacht,er spottet darüber, daß der Höllengeist nicht in einer weit gefähr-licheren Gestalt zu erscheinen vermochte, und auch die Schlange kriechtin die Erde zurück. Faust erhebt sogleich mit gesteigertem Eifer seineBeschwörungen, aber diesmal schwindet plötzlich die Dunkelheit, dasZimmer erhellt sich mit unzähligen Lichtern, statt des Donnerwettersertönt die lieblichste Tanzmusik, und aus dem geöffneten Boden, wieaus einem Blumenkorb, steigt hervor eine Ballett-Tänzerin, gekleidetim gewöhnlichen Gaze- und Trikot-Kostüme und nmhergaukelnd inden banalsten Pirouetten.
Faust ist anfänglich darvb befremdet, daß der beschworene TeufelMephistopheles keine unheilvollere Gestalt annehmen konnte als dieeiner Ballett-Tänzerin, doch zuletzt gefällt ihm diese lächelnd an-mutige Erscheinung, und er macht ihr ein gravitätisches Kompliment.Mephistopheles oder vielmehr Mephistopheia, wie wir nunmehr diein die Weiblichkeit übergegangene Teufelei zu nennen haben, erwidertParodierend das Kompliment des Doktors und nmtttnzelt ihn in derbekannten koketten Weise. Sic hält einen Zauberstab in der Hand,und alles, was sie im Zimmer damit berührt, wird aufs ergötzlichsteumgewandelt, doch dergestalt, daß die ursprüngliche Formation derGegenstände nicht ganz vertilgt wird; z. B. die dunklen Planeten-bilder erleuchten sich buntfarbig von innen, aus den Pokalen mitMißgeburten blicken die schönsten Vögel hervor, die Eulen tragenGirandolen im Schnabel, prachtvoll sprießen an den Wänden hervordie kostbarsten güldenen Geräte, vcnetianische Spiegel, antike Bas-reliefs, Kunstwerke, alles chaotisch gespenstisch und dennoch glänzendschön, eine ungeheuerliche Arabeske. Die Schöne scheint mit Faustein Freundschaftsbündnis zu schließen, doch das Pergament, das sieihm vorhält, die furchtbare Verschreibnng, will er noch nichr unter-zeichnen. Er verlangt von ihr, die übrigen höllischen Mächte zu sehen,