Elcmciitargcister. 81
Es hat sich dermaleinst begeben, daß König Hother in Dänemarkund Schweden, da er auf der Jagd in einem Nebel von den Seinenzu weit abgeritten, zu solchen Jungfrauen sei kommen, die haben ihngekannt, mit Namen genennet und angesprochen. Und als er ge-fragt, wer sie wären, haben sie zur Antwort gegeben, sie wären die,in deren Hand der Sieg stünde im Krieg wider die Feinde, sie wärenallezeit im Kriege mit und hülfen streiten, ob man sie gleich mitAugen nicht sehe; wem sie nun den Sieg gönneten, der schlüge undüberwinde seine Feinde, und behielte den Sieg und das Feld, undkönnte ihm der Feind nicht schaden. Wie sie solches zu ihm geredet,sind sie bald mit ihrem Hause und Tempel vor seinen Augen ver-schwunden, daß der König da allein gestanden ist im weiten Felde,unter offenem Himmel,
Der wesentliche Inhalt dieser Geschichte erinnert uns an dieHexen, die Shakespeare in seinem Macbeth auftreten läßt, und die inder alten Sage, welche der Dichter fast umständlich benutzt hat, weitedler, als sonst wohl die Hexen geschildert werden.
Nach dieser Sage sind gleichfalls dem Helden im Walde, kurzvor der Schlacht, drei rätselhafte Jungfrauen begegnet, die ihm seinSchicksal voraussagten und spurlos verschwanden. Es waren Wal-küren oder gar die Nornen, die Parzen des Nordens. An diesemahnen auch die drei wunderlichen Spinnerinnen, die uns aus altenAmmenmärchen bekannt sind; die eine hat einen Plattfuß, die andereeinen breiten Daumen, und die dritte eine Hängelippe. Hieran er-kennt man sie immer, sie mögen sich verjüngt oder verältert repräsen-tieren, Ich teile die lieblichste Version dieses Märchens nach demGrimmschen Buche mit.
Es war ein Mädchen faul und wollte nicht spinnen, und dieMutter mochte sagen, was sie wollte, sie konnte es nicht dazu bringen.Endlich übernahm die Mutter einmal Zorn und Ungeduld, daß sieihm Schläge gab, worüber es laut zu weinen anfing. Nun fuhrgerade die Königin vorbei, und als sie das Weinen hörte, ließ sieanhalten, trat in das Haus und fragte die Mutter, warum sie ihrerochier schlüge, daß man draußen auf der Straße das Schreien hörte.Da schämte sich die Frau, daß sie die Faulheit ihrer Tochter offen-baren sollte und sprach: „Ich kann sie nicht vom Spinnen abbringen,sie will immer und ewig spinnen, und ich bin arm und kann denFlachs nicht herbeischaffen," Da antwortete die Königin: „Ich hörenichts lieber als spinnen, und bin nicht vergnügter als wenn dieRäder schnurren; gebt mir Eure Tochter mit ins Schloß, ich habeFlachs genug, da soll sie spinnen, soviel sie Lust hat," Die Mutterwar's von Herzen gerne zufrieden, und die Königin nahm das Mädchenmit. Als sie inS Schloß gekommen waren, führte sie es hinauf zudrei Kammern, die lagen von unten bis oben voll vom schönsten