Elementargeister, 69
„Des Sommers kam die Schar der Zwerge häufig aus denFlühen herab ins Thal, und gesellte sich entweder hilfreich oder dochzuschauend zu den arbeitenden Menschen, namentlich zu den Mähdcrnin der Heuernte, Da sehten sie sich denn wohl vergnügt auf denlangen dicken Ast eines Ahorns inS schattige Laub, Einmal aberkamen boshafte Leute und sägten bei Nacht den Ast durch, so daß erbloß noch schwach am Stamme hielt, und als die arglosen Geschöpfesich am Morgen darauf niederließen, krachte der Ast vollends entzwei,die Zwerge stürzten auf den Grund, wurden ausgelacht, erzürntensich heftig und jammerten:
„O wie ist der Himmel so hochUnd die Untreue so groß!
Heut hierher und nimmermehr!"
Sie sollen seit der Zeit das Land verlassen haben.
Ich bezweifle, daß die Zwerge die Menschen als gute Geisterbetrachteten: sicherlich vermochten sie an unseren Handlungen nichtunseren göttlichen Ursprung zu erkennen, Wesen von einer andernNatur als die unsrige dürften keine gute Meinung von uns hegen,und der Teufel hält uns für die schlechtesten aller Kreaturen, Ichhabe einmal in einer Dorfschenne die Fanstkomödie darstellen sehen,Faust beschwört den Teufel und verlangt im Vertrauen auf seineUnerschrockenheit, daß der Teufel ihm in der furchtbarsten Gestalt, unterden Zügen der entsetzlichsten aller Kreaturen erscheine , , , und dergehorsame Teufel erscheint unter der Gestalt eines Menschen,
Man weiß nicht recht, weshalb die Zwerge uns zuletzt so plötzlichverließen. Es giebt indessen noch zwei andere Traditionen, die eben-falls den Abzug der Zwerge unserer Necksucht und Bosheit zuschreiben.Die eine wird in den erwähnten Volkssagen folgendermaßen erzählt:
„Die Zwerge, welche in Höhleu und Klüften rings um die Menschenherum wohnten, waren gegen diese immer freundlich und gut gesinnt,und des Nachts, wenn die Menschen schliefen, verrichteten sie derenschwere Arbeit, Wenn dann das Landvolk frühmorgens mit Wagenund Geräte herbeizog und erstaunte, daß alles gethan war, stecktendie Zwerge im Gesträuch und lachten hell auf. Oftmals zürnten dieBauern, wenn sie ihr noch nicht ganz zeitiges Getreide auf dem Ackerniedergeschnittcn fanden, aber als bald Hagel und Gewitter herein-brach und sie wohl sahen, daß vielleicht kein Hälmchen dem Verderbenentronnen sein würde, da dankten sie innig dem vornnssichtigen Zwerg-volk, Endlich aber verscherzten die Menschen durch ihren Frevel dieHuld und Gunst der Zwerge, sie entflohen, und seitdem hat sie keinAuge wieder erblickt. Die Ursache war diese. Ein Hirt hatte oben amBerg einen trefflichen Kirschbaum stehen. Als die Früchte einesSommers reiften, begab es sich, daß dreimal hintereinander nachtS