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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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58 Deutschland II.

manchmal die Oberhand, sie vergaßen ihren Zweck, die Unterdrückungder Vernunft zu gunsten des Glaubens, und statt die Menschenwieder zu Kindern zu machen, wie sie beabsichtigten, haben sie imGegenteil gegen ihren Willen, durch den Unterricht die Kinder zuMenschen gemacht. Die größten Männer der Revolution sind ansden Jesuitenschnlcn hervorgegangen, und ohne die Disciplin dieserlichteren wäre vielleicht die große Geisterbewegung erst ein Jahr-hundert später ausgebrochen.

Arme Bäter von der Gesellschaft Jesu! Ihr seid der Popanzund der Sündenbock der liberalen Partei geworden, man hat jedochnur eure Gefährlichkeit, aber nicht eure Verdienste begriffen. Wasmich betrifft, so konnte ich nie einstimmen in das Zetergeschrei meinerGenossen, die bei dem Namen Loyola immer in Wut gerieten, wieOchsen, denen man einen roten Lappen vorhält! Und dann, ohneim geringsten die Hut meiner Parteiinteressen zu verabsäumen, mußteich "mir in der Besonnenheit meines Gemütes zuweilen gestehen, wiees oft von den kleinsten Zufälligkeiten abhing, daß wir dieser, stattjener Partei zufielen und uns jetzt nicht in einem ganz entgegen-gesetzten Feldlager befänden. In dieser Beziehung kommt mir oftein Gespräch in den Sinn, das ich mit meiner Mutter führte, voretwa acht Jahren, wo ich die hochbctagte Frau, die schon damalsachtzigjährig, in Hamburg besuchte. Eine sonderbare Äußerung ent-schlüpfte ihr, als wir von den Schulen, worin ich meine Knabenzeitzubrachte, und von meinen katholischen Lehrern sprachen, woruntersich, wie ich jetzt erfuhr, manche ehemalige Mitglieder des Jesuitenvrdcns befanden. Wir sprachen viel von unserem alten liebenSchallmeyer, dem in der französischen Periode die Leitung des Düssel-dorfer Lyceums als Rektor anvertraut war, und der auch für dieoberste Klasse Vorlesungen über Philosophie hielt, worin er unum-wunden die frcigeisterischten griechischen Systeme auseinandersetzte, wiegrell diese auch gegen die orthodoxen Dogmen abstachen, als derenPriester er selbst zuweilen in geistlicher Amistracht am Altar fungierte.Es ist gewiß bedeutsam, und vielleicht einst vor den Assisen im ThaleJosaphat kann es mir als Lüroonstanes nttänrmnw angerechnetwerden, daß ich schon im Knabenalter den besagten philosophischenVorlesungen beiwohnen durfte. Diese bedenkliche Begünstigung genoßich vorzugsweise, weil der Rektor Schallmeyer sich als Freund unsererFamilie ganz besonders für mich interessierte-, einer meiner Ohme,der mit ihm zu Bonn studiert hatte, war dort sein akademischerPylades gewesen, und mein Großvater errettete ihn einst aus einertödlichen Krankheit. Der alte Herr besprach sich deshalb sehr oft mitmeiner Mutter über meine Erziehung und künftige Laufbahn, undin solcher Unterredung war es, wie mir meine Mutter später inHamburg erzählte, daß er ihr den Rat erteilte, mich dem Dienste der