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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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32 Deutschland II.

und einfachen Gerichte zu schätzen, welche gar gekocht und knustgerechtarrangiert sind, manchmal etwas Hautgout haben, aber stets vor-trefflich schinecken.

Am Abend desselben TageS, an dem ich die Grande-Chaumisre be-sucht hatte, wo ich die großen Männer Frankreichs noch in embryonischemZustande sah, führte mich einer meiner Landsleute, der schon in derWelt bekannt war, in ein anderes Lokal, das einige Ähnlichkeit mitdem eben besprochenen hatte. Das weibliche Geschlecht befand sichdort in überwiegender Majorität. Ich machte daselbst die Bekannt-schaft eines großen Mannes, welcher damals auf dem Gipfel seinerGröße stand. Seitdem ist sein Ruhm gesunken, aber in Frankreichhat nichts Bestand, und die großen Männer treten schnell wieder insDunkels sie erscheinen nur, um zu verschwinden. Der große Mann,von dem ich spreche, war der berühmte Chicard, der berühmte LederHändler und Cancantänzer, eine vierschrötige Figur, deren rot auf-gedunsenes Gesicht gegen die blendend weiße Krawatte vortrefflichabstach; steif und ernsthaft, glich er einem Maire-Adjunkten, der sicheben anschickt, eine Rosisre zu bekränzen. Ich bewunderte seinen Tanz,und ich sagte ihm, daß derselbe große Ähnlichkeit habe mit dem antikenSilenostanz, den man bei den Dionysien tanzte, und der von.demwürdigen Erzieher des Bacchus, dem Silenos, seinen Namen empfangen.Auch Herr Chicard sagte mir viel Schmeichelhaftes über meine Gelehr-samkeit und präsentierte mich einigen Damen seiner Bekanntschaft,die ebenfalls nicht ermangelten, mein gründliches Wissen hernmzu-rühmen, so daß sich bald mein Ruf in ganz Paris verbreitete, unddie Direktoren von Zeitschriften mich aufsuchten, um meine Kollaborationzu gewinnen.

Zu den Personen, die ich bald nach meiner Ankunft in Parissah, gehört auch Victor Bohain, und ich erinnere mich mit Freudedieser jovialen, geistreichen Figur, die durch liebenswürdige Anregungenviel dazu beitrug, die Stirne des deutschen Träumers zu entwölkenund sein vergrämtes Herz in die Heiterkeit des französischen Lebenseinzuweihen. Er hatte damals die „Europa littsrairs" gestiftet, undals Direktor derselben kam er zu mir mit dem Ansuchen, einigeArtikel über Deutschland in dem Genre der Frau von Stael für seineZeitschrift zu schreiben. Ich versprach die Artikel zu liefern, jedochausdrücklich bemerkend, daß ich sie in einem ganz entgegengesetztenGenre schreiben würde. „Das ist mir gleich," — war die lachendeAntwort — „außer dem lstsnro snnu^sux gestatte ich, wie Voltaire,jedes Genre." Damit ich armer Deutscher nicht in das 6-snrs snnu/suxverfiele, lud Freund Bohain mich oft zu Tische und begoß meinenGeist mit Champagner. Niemand wußte besser, wie er, ein Dineranzuordnen, wo man nicht bloß die beste Küche, sondern auch dieköstlichste Unterhaltung genoß; niemand wußte so gut, wie er, als