, 28 Deutschland II.
erstenmal jenes laute gallische Lachen, das man bei uns nicht kennt,und das so gutmütig und mokant zugleich ist, wie der lieblich edlefranzösische Wein oder ein Kapitel von Rabelais. Nichts ist ansteckender als solch eine Lustigkeit, und ich selbst begann aus Herzensgrundezu lachen, wie ich niemals daheim gelacht habe, lim ein Gesprächmit der schalkhaften und amüsanten Person anzuknüpfen, fiel es mirein, sie zu fragen, wo die großen Männer seien, von denen die Inschrift dieses HauscS der Nationaldankbarkcit rede. Bei dieser Frageerhob die biedere Lachcrin ein noch schallenderes Gelächter, die Thronenkamen ihr in die Augen, sie mußte sich den Bauch halten, um nichtzu ersticken, und bei jedem Wort Atem holend, antwortete sie: „Ach,Sie kommen zu einer schlechten Stunde hierher. Gegenwärtig sinddie großen Männer sehr rar bei uns — die letzte Ernte hat keinenErtrag geliefert, aber wir hoffen, daß die nächste wohl besser ausfallenwird; unsere großen Männer in sxs wachsen vortrefflich und vcrsprechen viel. Wollen Sie diese großen Männer der'Zukunft sehen,welche jetzt noch sehr winzig sind, so brauchen Sie sich nur nach einemEtablissement zu begeben, das hier ganz in der Nähe auf dem BoulevardMont-Pnrnassc liegt, und das man die Grande-Chaumisre heißt.Dort ist die Pflanz- und Tanzschule jener kleinen großen Männer,jener Knirpse des Ruhmes, die eines Tages der Stolz Frankreichsund die Freunde des Menschengeschlechts sein werden; Sie treffenes gut, denn es ist heute ein Donnerstag . . ." Die tolle Lacherinkonnte nicht weiter reden, und als ich von ihr Abschied nahm, ummich nach dem angedeuteten Ort zu verfügen, hörte ich lange dasEcho ihrer Lustigkeit.
In wenigen Minuten erreichte ich das provisorische Pantheonder künftigen großen Männer Frankreichs, welches man die GrandeChaumisre nennt. Es ist ein Name, mit welchem der republikanischeGedanke wahrscheinlich eine geheime Bedeutung verknüpft, denn ioolmums (das Stroh) ist das Sinnbild des frugalen und arbeitsamenLebens, und es wird das Symbol jener Proletarier, welche die stolzenPaläste des aristokratischen Hochmuts und Lasters zerstören werden,um an ihrer Stelle den Herd guter Sitten und der Tugend, die„große Strohhüttc des Lölkes", zu errichten. Ich trat in das Allerheiligste des Etablissements, welches diesen symbolischen Namen führt,und es thut mir fürwahr nicht leid um die zehn Sous, welche icham Eingang bezahlen mußte. Ich sah dort in der That die künftigengroßen Männer Frankreichs, die kleinen großen Männer, auf derenStirn schon das Morgenrot ihres Ruhmes einen Abglanz warf, ichsah jene Helden der Zukunft, deren Leben und mehr oder minderherrliche Großthatcn ein Plutarch beschreiben wird, der noch geborenwerden soll, oder der zur Stunde an der Mutterbrnst saugt; wenner nicht vielleicht mit der Flasche genährt wird. All diese Leute