Nomancero — Letzte Gedichte.
Abwechselnd wieder sah nicin hier sknlpicrtDes geilen Jvvis Brnnst und Frcvclthatcn,
Wie er als Schwan die Lcda hat verführt,Die Danae als Regelt Vvn Dukaten.
Hier war zu sehn Dianas wilde Jagd,
Ihr fvlgen hochgeschürzte Npmphen, Doggen,
Hier sah man Herkules in Fraucntracht,
Die Spindel drehend hält sein Arm den Rocken.
Daneben ist der Sinai zu sehn,
Am Berg steht Israel mit seinen Ochsen, ,Man schaut den Herrn als Kind im Tempel stehnUnd disputieren mit den Orthodoxen.
Die Gegensätze sind hier grell gepaart,Des Griechen Lustsinn und der GottgedankeJndttas! Und in ArabeskcnartUm beide schlingt der Ephen seine Ranke.
Doch, wunderbar! derweilen solcherleiBildwerke träumend ich betrachtet habe,
Wird plötzlich mir zu Sinn, ich selber seiDer tote Mann im schonen Mnrmorgrabe.
Zu Häupten aber meiner Ruhcstätt'
Stand eine Blume, rätselhaft gestaltet,
Die Blätter schwefelgelb und violett,
Doch wilder Liebreiz in der Blume waltet.
Das Volk nennt sie die Blum' der PassionUnd sagt, sie sei dem Schädelbcrg entsprossen,Als man gekreuzigt hat den Gottessohn,
Und dort sein wcltcrlvscnd Blut geflossen.
Blntzengnis, heißt es, gebe diese Blum',
Und alle Marterinstrumente, welcheDem Henker dienten bei dem Marthrtnm,
Sie trüge sie abkonterfeit im Kelche.
Ja, alle Requisiten der PassionSähe man hier, die ganze Folterkammer,Zum Beispiel: Geißel, Stricke, Dornenkron',Das Kreuz, den Kelch, die Nägel und den Hammcr.
Solch eine Blum' an meinem Grabe stand,Und über meinen Leichnam niederbeugend,Wie Frauentraner, küßt sie mir die Hand,
Küßt Stirne mir und Augen, trostlos schweigend.