Letzte Gedichte. 2gZ
Für dir Mvuchc.
Es träumte mir von einer Sommernacht,
Wo bleich, verwittert, in des Mondes GlänzeBanwcrke lagen, Reste alter Pracht,
Rnincn ans der Zeit der Renaissance.
Nur hier und da, mit dorisch ernstem Knauf,
Hebt ans dem Schutt sich einzeln eine Säule,
Und schaut ins hohe Firmament hinauf,
Als ob sie spotte seiner Donnerkeile.
Gebrochen auf dem Boden liegen ringsPortale, Giebeldächer und Skulpturen,
Wo Mensch und Tier vermischt, Centanr und Sphinx,Satyr, Chimäre — Fabelzeitfigurcn.
Es steht ein offner MarmvrsarkvphagGanz nnverstiimmclt unter den Ruinen,
Und gleichfalls unversehrt im Sarge lagEin toter Mann mit leidend sanften Mienen.
Karyatiden mit gestrecktem Hals,
Sie scheinen mühsam ihn emporznhalten.
An beiden Seiten sieht man ebenfallsViel basrelief gemeißelte Gestalten.
Hier sieht man des Olympos HerrlichkeitMit seinen liederlichen Heidengöttern,
Adam und Eva stehn dabei, sind beid'
Versehn mit keuschem Schurz von Feigenblättern.
Hier sieht man Trosas lintergang und Brand,
Paris und Helena, auch Hektar sah man;
Moses und Aaron gleich daneben stand,
Auch Esther, Judith, Hvlvfern und Haninn.
Desgleichen war zu sehn der Gott Amur,
Phöbus Apoll, Vulkanns und Frau Venns,
Pluto und Proserpine und Merkur,
Gott Bacchus und Priapus und Silenus.
Daneben stand der Esel Balaams— Der Esel war zum Sprechen gut getroffen —
Dort sah man auch die Prüfung AbrahamsUnd Lvth, der mit seinen Töchtern sich besoffen.
Hier war zu schaun der Tanz Herodias',
DaS Haupt des Täufers trägt man auf der Schlisset,Die Hölle sah man hier und Satanas,
Und Petrus mit dem großen Himmelsschliisscl.