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3 (1898) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
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127
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Drittes Buch. Heimische Melodien. 127

Jci, das ist da? ZionSlied,

Das Jehuda ben HalevhSterbend auf den heil'gen TrümmernVon Jerusalem gesungen —

Barfuß und im BüßerkittclSaß er Korten auf dem BruchstückEiner umgestürzten Säule; —

Bis zur Brust herunterfiel

Wie ein greiser Wald sein Haupthaar,

Abenteuerlich beschattendDas bekümmert bleiche Autlii;

Mit den geisterhaften Augen

Also saß er und er saug,

Wie ein Seher aus der VorzeitAuzuschaun — dem Grab entstiegenSchien Jeremias, der Alte —

Das Gevögel der RuinenZähmte schier der wilde SchmerzlautDes Gesanges, und die GeierNahten horchend, fast mitleidig —

Doch ein frecher SarazeneKam desselben Wegs geritten,

Hoch zu Roß, im Bug sich wiegendUnd die blanke Lanze schwingend —

In die Brust des armen SäugersStieß er diesen Todcsspecr,

Und er jagte rasch von dauncn,

Wie ein Schattenbild beflügelt.

Ruhig floß das Blut des Rabbi,

Ruhig seinen Sang zu EndeSang er, und sein sterbelctzterSeufzer war Jerusalem!

Eine alte Sage meldet,

Jener Sarazene seiGar kein böser Mensch gewesen,

Sondern ein verkappter Engel,

Der vom Himmel ward gesendet,

Gottes Liebling zu entrückenDieser Erde, und zu fördernOhne Qual ins Reich der Set'gcn.