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3 (1898) Letzte Gedichte Romancero
Entstehung
Seite
121
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Drittes Buch. Hebräische Melodien.

„Auf der edlen Höhe ZionS,

Wo die goldne Beste ragte,

Deren Herrlichkeiten zeugtenVon der Pracht des großen Königs:

„Dort, von Unkraut überwuchert,Liegen nur noch graue Trümmer,Die uns ansehn schmerzhaft traurig,Daß man glauben muß, sie weinten.

„Und es heißt, sie weinten wirklichEinmal in dem Jahr, an jenemNennten Tag deS MonatS Ab —Und mit thrnnend eignen Augen

„Schaute ich die dicken TropfenAns den großen Steinen sickern,Und ich hörte weheklagcnDie gebrochnen Tempelsäulen."

Solche fromme PilgersagcnWeckten in der jungen BriestDes Jehuda ben HalevySehnsucht nach Jerusalem.

Dichterschnsucht! ahnend, träumendUnd fatal war sie, wie jene,

Die ans seinem Schloß zu BläheEinst empfand der edle Vidam,

Messer Geoffroh Rndello,

Als die Ritter, die zurückAus dem Morgcnlande kehrten,

Laut beim Bcchcrklang beteuert:

Ausbund aller Huld und Züchten,Perl' und Blume aller FrauenSei die schöne Melisande,

Markgräfin von Tripolis.

Jeder weiß, für diese DameSchwärmte jetzt der Troubadour:Er besang sie, und es wurdeIhm zu "eng im Schlosse Blähe.

Und es trieb ihn fort. Zu CetteSchiffte er sich ein, erkrankteAber auf dem Meer, und sterbendKam er an zu Tripolis.