Romancero — Letzte Gedichte.
Jene, die der Nabln liebte.War ein traurig armes Liebchen,Der Zerstörung JannnerbildniS,Und sie hieß Jerusalem.
Schon in frühen KindestngcnWar sie seine ganze Liebe;
Sein Gemüte machte bebenSchon das Wort Jerusalem.
Purpnrflamme auf der WangeStand der Knabe, und er horchte,Wenn ein Pilger nach ToledoKam ans fernem Morgenlande
Und erzählte, wie verödetUnd vcrnnreint jetzt die Stätte,Wo ani Boden noch die LichtspnrVon dem Fuße der Propheten —
Wo die Luft noch balsamieretVon dem cw'gcn Odem Gottes —„O des Jammeranblicks!" riefEinst ein Pilger, dessen Bart
Silberweiß hinabfloß, währendSich das Barthaar an der SpitzeWieder schwärzte und es anssah,Als ob sich der Bart verjünge —
Ein gar wunderlicher PilgerMacht' es sein, die Augen lugtenWie aus tansendjähr'gem Trübsinn,Und er seufzt': „Jerusalem!
„Sie, die volkreich heil'ge StadtIst zur Wüstenei geworden,Wo Waldteufel, Wehrwolf, SchakalIhr verruchtes Wesen treiben —
„Schlangen, Nachtgevögel nistenIm verwitterten Gemäuer;
Aus des Fensters luft'gcm VogenSchaut der FuchS mit Wohlbehagen.
„Hier und da taucht auf zuweilenEin zerlumpter Knecht der Wüste,Der seile höckriges KamelIn dem hohen Grase weidet.