Romancero — Letzte Gedichte.
AuS der Tiefe ihres ElendsSchauten sie zu mir empor,
Wie mit weißen Geisteraugen,
Daß ich schier darvb erschrocken.
Wer sind diese Jammerbilder?
Rief ich aus, indem ich hastig ,
Don Diegos Hand ergriff,
Die gezittert, wie ich fühlte.
Don Diego schien verlegen,
Sah sich um, ob niemand lausche,
Seufzte tief und sprach am Ende,
Heitern Weltmannston erkünstelnd:
„Dieses sind zwei Königskindcr,
Früh verwaiset, Konig PedroHieß der Vater, und die MutterWar Maria de Padilla.
„Nach der großen Schlacht bei Narvas,Wo Hcnrico TransmatareSeinen Bruder, König Pedro,
Von der großen Last der Krone
„Und zugleich von jener grvßcrnLast, die Leben heißt, befreite:
Da traf auch die BruderskinderDon HenricoS Siegergroßmut.
„Hat sich ihrer angenommen,
Wie es einem Oheim ziemet,
Und im eigneil Schlosse gab erIhnen freie Kost und Wohnung.
„Enge freilich ist das Stübcheu,
Das er ihnen angewiesen,
Doch im Sommer ist es kühlig,
Und nicht gar zu kalt im Winter.
„Ihre Speis' ist Roggenbrot,
Das so schmackhaft ist, als hätt' esGöttin Ceres selbst gebackenFür ihr liebes Proserpinchen.
„Manchmal schickt er ihnen auchEine Kumpe mit Garbanzos,
Und die Jungen merken dann,
Daß es Sonntag ist in Spanien.