Zweites Buch. Lamentationen.
„Ja. wir waren wie versteinert,Sahn nns an mit starrer Miene,Und gelähmt war jede ZnngcVan der Angst und Etikette.
„Nur Maria de PadillaBrach das allgemeine Schweigen:Händeringend, laut aufschluchzendJammerte sie ahnungsvoll:
„„Heißen wird es jetzt, ich hätteAngestiftet solche Mvrdthat,
Und der Groll trifft meine Kinder,Meine schuldlos armen Kinder!""
Don Diego unterbrach hierSeine Rede, denn wir sahen,
Daß die Tafel aufgehobenUnd der Hof den Saal verlassen.
Höfisch fein von Sitten, gabMir der Ritter das Geleite,
Und wir wandelten selbandcrDurch das alte Gotcnschloß.
In dem Krcuzgang, welcher leitetNach des Königs Hnndestälicn,Die durch Knurren und GekläffeSchon von fernher sich verknnd'gen,
Worten sah ich, in der WandEingemauert und nach außenFest mit Eisenwerk vergattert,
Eine Zelle wie ein Käfig.
Menschliche Gestalten zwoSaßen drin, zwei junge Knaben:Angcfesselt bei den Beinen,
Hockten sie auf fauler Streu.
Kaum zwölfjährig schien der eine,Wenig älter war der andre;Die Gesichter schön und edel,
Aber fahl und welk von Siechtum.
Waren ganz zerlumpt, fast nackend,Und die magern Leibchen trugenWunde Spuren der Mißhandlung;Beide schüttelte das Fieber.