Zweites Buch. Lamentationen. 67
Sie lehrten mich Sterne und Zeichen deuten.
Saltellos auf dem Winde reiten,
Auch Runensprüche, womit man ruftDie Toten hervor aus ihrer Gruft.
Sie haben mir auch den Pfiff gelehrt,
Wo man den Vogel Specht bethört,
Und ihm die Springwnrz abgewinnt,
Die anzeigt, wo Schütze verborgen sind.
Die Worte, die man beim SchätzcgrabcnHinmurmelt, lehrten sie mich, sie habenMir alles expliziert — umsonst!
Hab' nie begriffen die Schatzgräberkunst.
Wohl hatt' ich derselben nicht nötig dermalen,
Ich brauchte wenig, nnd könnt' es bezahlen,
Besaß auch in Spanien manch luftiges Schloß,
Wovon ich die Revenuen genoß.
O schöne Zeit! wo voller GeigenDer Himmel hing, wo ElfcnreigenUnd Nixentanz und KoboldscherzUmgaukelt mein mnrchentrnnkenes Herz!
O schöne Zeit! wo sich zu grünenTriumphespforten zu wölben schienenDie Bäume des Waldes — ich ging einherBekränzt, als ob ich der Sieger war'!
Die schöne Zeit, sie ist verschlendert,
Und alles hat sich seitdem verändert,
Und ach! mir ist der Kranz geraubt,
Den ich getragen aus meixicm Haupt.
Der Kranz ist mir vom Haupt genommen,
Ich weiß es nicht, wie es gekommen:
Doch seit der schöne Kranz mir fehlt,
Ist meine Seele wie entseelt.
Es glotzen mich an, unheimlich blöde,
Die Larven der Welt! Der Himmel ist öde,
Ein blauer Kirchhof, entgöttert und stumm,
Ich gehe gebückt im Wald herum.
Im Walde sind die Elfen verschwunden,
Jagdhörner hör' ich, Gekläffe von Hunden;
In: Dickicht ist das Reh versteckt,
Das thräncnd seine Wunden leckt.