86
sehen Terrorismus an die TageS-Ordnung. Religiosität,Patriotismus und Nationalstolz erstarbcn und Rom, einstSitz und Pflegerin dieser durch Weltherrschaft belohnten Tu-genden, artete bis zur Verachtlichkcit aus, fröhute unnatür-lichen Lasiern und schwelgerischen Ausschweifungen jeder Art,und erhielt sich auf Kosten der Provinzen, welche gegen ihreObcrherrn immer gleichgültiger und unwilliger werden muß-ten. Zeiten, in welchen es gefahrlich war, sich durch Tu-genden auszuzeichnen, erzeugten Generationen, die für Tu-gend und Kraft unempfänglich waren. Nach dem abtrünni-gen Julian nahm die Schwache der Regenten und dieVerdorbenheit des Hofs immer zu, die Staatskrafte warenerschöpfe, die undisciplinirtcn Armeen harren in der Regelkraft- und kopflose Anführer, und der westliche Theil derrömischen Welt wurde von Barbaren unterjocht.
5) Am»,ianus Marc. 14, 6. 28, 4. — C- Meine rs Ge-schichte des Verfalls der Sitten, der rVissenschaftc«, und derSprache der Römer, i» den ersten Jahrhunderten nach Chri-sti Gehurt- Wien u. Leipzig 1791. gr. 8. —
Z4) Nach August's Tod wurde Rom 28 Jahre lang<69 —8l auogcnommen) von Ungeheuern beherrscht, bey de-ren gränzenloser Tyrannei) sich der Pöbel wohl befand; ihreSchlechtigkeit vollendete sich durch die Verworfenheit ihrerUmgebung und daher gilt fast von ihnen allen, daß der An-fang ihrer Regierung Gutes verhies, bald genug aber dieTauschung entschwand und bey jedem nur das Streben, inEntartung der menschlichen Natur den Vorganger zu Über-tressen, hervorzutreten schien. Unter Tiber ins s 19. Aug.14—16 Marz z7j horten die vom feigen Senat aufgegebe-nen eousticutionellen Förmlichkeiten auf und es entstand einauf verächtliche Charakterlosigkeit der Römer und Nahe derim Fürsicadiensie eifrigen Pratorianer sich stützender Kabi-netsdespotismus, dessen abscheuliche Furchtbarkeit
in dem Ministerium des L.. Acl.Gcjanus f2z— Zi; f. Oellcj. P. 2, 127 f. und Ta-