46 Ein verschollenes Adelsgeschlecht der Oderlausitz in Preußen.
Kohlwesa mit zu den ältesten der v. Maxen gehört habend) Jedenfalls istdieser Umstand ein höchst gewichtiges Argument, um bei der bestehendenWappcngleichheit beider Geschlechter ihre Stammesgemeinschaft wenn nichtschon dadurch zu erweisen, so doch für höchst wahrscheinlich zu erachten. Dazukommt noch, daß die v. Kolowas bis jetzt wenigstens nicht früher, als 1409in der Oberlattsitz als ein eigenes Geschlecht nachweisbar und bekannt sindund daß nicht das geringste Anzeichen vorliegt, daß sie aus einem Nachbarlandeund ans welchem in die Oberlausitz eingewandert waren. So werden wir berechtigtsein, anzunehmen, daß ein etwa im 14. Jahrhundert zu Kohlwesa bereitslängere Zeit gesessener Zweig der v. Maxen sich vom Hanptstamme abzweigend,den Namen seines alten Sitzgutes, nach dem er im gemeinen Leben gewöhnlichbenannt wurde, angenommen oder beibehalten habe.
Alles dies zusammengefaßt, stellt sich als Resultat unserer UntersuchungFolgendes dar:
1) die im Jahre l409 zuerst nachweisbaren v. Kolowas-Kolbitz hattenihren Namen von dem gleichnamigen Rittergute Kolowas jetzt Kohlwesa undsind als ein Zweig der seit dem Jahre 1350 in der Oberlausitz bekanntenFamilie v. Maxen anzusehen, deren Grundbesitz zu Kohlwesa noch gegen Endedes 15. Jahrhunderts bezeugt ist;
2) da die v Maxen zu dem eingeborenen Adel der Oberlausitz gehören,jedenfalls von undeutscher Extraction sind, so gilt ein Gleiches von ihremZweige, den v. Kolowas, welchen dieselbe Herkunft zuzuschreiben wäre, auchwenn ihr Zusammenhang mit den v. Maxen in Frage gestellt bliebe;
3) daß die Stammlinie des Geschlechts v. Kolowas in der Oberlausitzsehr wahrscheinlich mit dem in ihr zuletzt genannten Hans v. K., jedoch erstnach 1527 erloschen ist, der um diese Zeit aber in Preußen begründete Zweigunter dem Namen Kalbitz (Colbitz) noch mehr als zwei Jahrhunderte bestandenhat, bis er im Jahre 1762 in ehrenvoller Weise beschlossen wurde.
Darüber sind wir einer Bemerkung überhoben, daß sich dieses oderjenes Geschlecht der Oberlausttz durch seine Herkunft von den Urbewohnernseines Vaterlandes unangenehm berührt fühlen könnte. Denn wir sehen, wieneben dem Fürstenhause von Mecklenburg noch gegenwärtig zahlreiche andereGeschlechter dieses Landes sowohl, als Pommerns und Preußens, einen ganzbesondern Vorzug und eine Ehre darin erblicken, einen indigenen Ursprung zuhaben, zu deu Autochthonen ihrer Länder zu gehören und es bedurfte somitauch keines Hinweises darauf, wie zahllose mit unvergänglichem Ruhme bedeckteHeerführer und brave Offiziere aller Grade in der Preußischen und SächsischenArmee aus Familien slavischer Nationalität entsprossen gewesen sind.
°) In der Oberlaus. AdclSgesch. S. 587 heißt es, daß nach den v. Nechcrn diev. Maxen im Besitze von Kohlwesa gewesen seien, was aber im Hinblick auf S. 357 und387 nicht zutreffend erscheint, da schon 1492 die v. M. dort Grundbesitz hatten. An undfür sich ist es auch gleichgültig, daß auch die v. N. außerdem dort noch begütert waren.