Daß es Leo gelang, ein solches Ansehen in der Kirche vonSpanien zu gewinnen, kann bei der hervorragenden Persönlich-keit des Mannes um so weniger befremden, da die SpanischeKirche, daheim gedrückt ohne festen Halt und Einheit, sich noth-wendig nach außen nach einem Stützpunkte umsehen mußte, umnur der von der Regierung ohne Zweifel unterstützten Priscil-lianisten Herr zu werden. Uebrigens zeigt Jdatius in seinemChronicon, daß die Spanische Kirche vermittelst Gallien, wel-ches zum großen Thcilc westgothisch war, mit dem RömischenStuhle in Verbindung stand. Derselbe sagt: Klu-
viani epistolss ad I^conem episeopum missuc cum seriptiss)^rilli ^lexaniiriui et llleonis ad cum i esponsu; guac cumaliuiiim epi8eopai'um ct Pestis et sci'iptis per cvele^ius (Iiis-panicas) «üriAuntur. Dies läßt nicht einmal auf einen unmit-telbaren Verkehr mit Rom schließen, von dem auch in den fol-genden I<i Jahren bis zu Leos Tode keine Spur weiter zu ent-decken ist.
Derselbe erneuert sich wieder unter Lco's Nachfolger Hila-rius. Was dies herbeiführte, war der Uebcrmuth des Bischofsvon Calahorra, der es sich herausnahm, in der Provinz desMetropoliten Ascanius von Tarraco Metropolitanrechtc zuüben, d. h. Bischöfe zu weihen. Da die Verhältnisse der Spa-nischen Kirche zur Gothischen Regierung keine allgemeine Synodeerlaubten, ein Provinzial-Concil aber nicht im Stande war, jeneExccssc des Bischofs von Calahorra und Anderer zu zügeln, sonahm Ascanius, um seine Metropolitanrechtc zu sichern, seineZuflucht zum Römischen Stuhle, welchem als dem apostolischendie Sorge für die Aufrcchthaltung der Canones in der Occiden-talischen Kirche besonders oblag. Ascanius also und eine Synodeseiner Provinz schickten an Hilarius ein Schreiben, worin sie,seinen Primat, als des Nachfolgers Petri bekennend,wie dies stets von Allen geschah, die bei dem Römischen Stuhle
te» haben, daß in den Stürmen, die zu jener Zeit durch Spa-nien tobten, ein Concil des ganzen Landes zu Stande ge-kommen.