Kommodus. Jahr Christus 191. Victor. 187
schrieb auch Irenaus im Namen der Brüder in Gallien, welchen er vor-stand, einen Brief. Er erklärt sich zwar in demselben dafür, dasi mannur am Sonntage das Geheimnisi der Auferstehung des Herrn feiernsolle, erinnert aber doch den Victor auf gebührende Weise und umständlich,er mochte nicht ganze Gemeinden Gottes, weil sie die Uebertieferungeines alten Brauchs beobachteten, von der Kirchengemeinschaft trennen.Irenäns äußert darin auch Folgendes: „Die Streitfrage betrifft nicht„allein den Tag, sondern auch die Art des Fastens. Denn die einen„glauben, daß sie nur einen Tag fasten sollen, die andern zwei, andere„noch mehrere. Wieder andere lassen die Zeit des Fastens gg Stunden„langst) Tag und Nacht hindurch danern. Und diese Verschiedenheit in„Beobachtung des Fastens ist nicht erst zu unserer Zeit entstanden, son-dern schon lange vorher bei unfern Vorfahren, welche sich vermnthlich„nicht aufs Genaueste daran hielten und so die in aller Einfalt und ans„Unknnde entstandene Gewohnheit auf die Nachkommen vererbten. Gleich-„wohl haben diese alle im Frieden gelebt und auch wir leben im Frieden„mit einander und die Verschiedenheit in den Fasteneinrichtnngen läßt„die Einkracht des Glanbens um so stärker hervorleuchten." Hierauf fügtIrenäns noch eine Erzählung bei, die ich hier ganz an ihrem Platz bei-bringen will. Sie lautet also: „Die Presbyter, (2) welche vor Soter„der Kirche vorgestanden, über welche du jetzt die Aufsicht führst, ich„meine den Anicetus, Pins, Hyginus, Telesphorns und ssystns, haben„weder selbst das Passah so gefeiert, noch auch es ihren Untergebenen er-laubt. Allein obgleich sie dasselbe nicht so feierten, so lebten sie dennoch„in Frieden mit denjenigen, welche ans den Gemeinden kamen, wo es„so gefeiert wurde, wiewohl die Feier desselben denjenigen, welche eS„nicht so feierten, mehr auffallen mußte. Und niemals sind dieses Um-landes wegen Einige e.rcommnnicirt worden, sondern es haben sogar„deine Vorfahren, obgleich sie es nicht so hielten, denen ans fremden„Kirchen, die es so hielten, die Eucharistie geschickt. sS) Als der selige„Polykarpns unter Anicetus nach Nom kam und beide über verschiedene„Gegenstände mit einander einen unerheblichen Streit hatten, so wurden„sie sogleich einig mit einander, ohne über diesen Punkt mit einander„streiten zu wollen. Denn es konnte weder Anicetus den Polykarpns be-„wegen, es so zu halten, da dieser mit Johannes, dem Jünger nnsers
l Als Nachbildung des 40tägigcn Fastens Jesu in der Wüste während der Versuchung.Später wurden daraus die 4(1 Tage: die ZAuadragesimalfastcnzcit.
(2) Hier nennt Irenaus die römischen Bischöfe Presbyter, da Bischof und Presbyterursprünglich nicht verschieden und die Bischöfe nur die ersten Presbyter waren.
(3) Hier ist von der Kirchcngemeinschaft die Rede, welche man hielt und bezeugte,wen» Leute von fremden, auswärtigen Kirchen zusammenkamen. Hielt man Frieden undEinigkeit, so schickte man ihnen die Eucharistie d. h. ^cweilucs Brod und Wein, wie manes in der Versammlung austhcilte. Das hieß jemand „aufnehmen." Er durfte ebenfallsnicht bloß dahin kommen, sondern war es ein Geistlicher, etwa ein Bischof, so ließ manihn auch Theit an den geistlichen Verrichtungen nehme», wohl auch selbst konsekriren.Widerfuhr jemanden an einer auswärtige» Kirche diese Kirchcnehrc nicht, so »ahm manda» doch auf >md da« hieß, ihn von der Gemeinschaft entfernen oder ihn eicommunicixen.