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Kirchengeschichte
Entstehung
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12
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12 Einleitung.

»Kann ein Land nnr Einen Tag Wehen haben und ein Volk ans Einmal«geboren werden ?" Derselbe Prophet spielt auch auf den künftigen Namendieses Volkes an, wenn er sagt:(1)Denen, die mir dienen, wirdein»neuer Name gegeben werden, der auf Erden gepriesen werden wird." Alleinobgleich wir offenbar neu sind und der wirklich neue Name der Christenerst seit Kurzem allen Völkern bekannt geworden ist, so will ich dennochzeigen, daß unsere Lebensregeln, unsere Lebensweise und unsere Religions-sätze nicht erst vor Kurzem von uns ersonnen, sondern daß sie vielmehr, sozu sagen, seit der ersten Erschaffung des Menschest von den gotteSfürchtigenMenschen der Vorzeit nach den von der Natur eingepflanzten Begriffenbestimmt und geordnet worden sind, und zwar auf folgende Art: Daß dashebräische Volk nicht neu ist, sondern seines Alterthnms wegen bei allenMenschen in Achtung steht, ist allbekannt. Dieses Volk besitzt Bücher undschriftliche Nachrichten von Männern der Vorzeit, welche zwar der Zahl nachnur wenige, aber durch Frömmigkeit, Nechtschaffenheit und alle übrigenTugenden ausgezeichnet waren. Von diesen haben verschiedene vor dergroßen Fluth gelebt, andere nach derselben unter den Kindern und Ab-kömmlingen Noah's, worunter auch namentlich Abraham gehört, dessen sichdie Hebräer als des Stifters ihres Volks und als ihres Stammvaters rüh-men. Wenn man behauptete, daß alle diese Männer, die das Zeugnißder Rechtschaffenheit haben, von Abraham an bis hinauf zum ersten Men-schen, wenn anch nicht dem Namen nach, doch in der That Christen gewesenseyen, so würde man nicht sehr irren. Denn wenn unter der Benennungeines Christen ein solcher Mensch verstanden wird, der durch Christi Er-kenntniß und Lehre mit Mäßigkeit, Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit, männ-licher Tugend und Bekenntniß der Verehrung des einzigen, alleinigen undallmächtigen Gottes geschmückt ist, so haben sich aller dieser Tugenden jeneMänner nicht weniger, als wir, beflissen. Sie dachten an keine Beschnei-dung des Körpers, wir thnn es auch nicht; an keine Beobachtung des Sab-bats, wir auch nicht; auch hüteten sie sich eben so wenig, als wir, vor demGenüsse gewisser Speisen, noch machten sie sonstige Unterschiede, wie siezu allererst Moses empfangen und den nachfolgenden Geschlechtern vorbildlichzur Nachachtnng Übermacht hat. Jndeß hatten sie eine recht deutlicheErkenntnis; von dem Christus Gottes, wie denn schon oben gezeigt wordenist, daß er dem Abraham erschienen, daß er dem Isaak Offenbarungengegeben, mit Jakob geredet und mit Moses und den folgenden Prophetenverkehrt hat. Daher finvet man auch, daß jene gottseligen Männer desBeinamens Christi gewürdigt worden sind, nach jener Schriststelle, wo vonihnen gesagt ist: (2) »Rühret meinen Christus nicht an und verübt keineBosheit an meinen Propheten." Man kann also deutlich sehen, daß dievon Abraham und den andern frommen Männern erfundene, in neuerer

(1) Jes. 65, 15. 16.

(2) Worte Apaphs 1 Chr. 16, 22. Eusebius nimmt hier wiederum das Wort Chri-sten nicht in der Bedeutung von: Gesalbten, sondern, wie schon oft vorher, als Eigennamen.