Leben und Schriften des Eusebius. xvll
12) Ein Kommentar über den ersten Brief an die Korinthcr.
13) Verschiedene hin und wieder angeführte Briefe.
Ohne auf eine Würdigung der sämmtlichen Schriften des Eusebiuseinzugchen, wollen wir hier blos seine Kirchengeschichte in das Augefassen. Wie Herodot der Vater der Geschichte überhaupt, so kann Eu-sebius mit Recht der Vater der Kirchengeschichte genannt werden, mögenauch des Hegesippus nun verloren gegangene Denkwürdigkeiten ans derapostolischen Ueberliefernng die Grundzüge einer solchen gebildet haben.Eusebius hat mit ungemeinem Flciße und großer Beharrlichkeit ausallen ihm zu Gebote stehenden Quellen Beiträge zu seiner Kirchengeschichtegesammelt, unterstützt dabei von seiner ausgebreitete» Gelehrsamkeit undden Hülfsmitteln, welche ihm nach seiner eigenen Versicherung die vonBischof Alexander von Jerusalem in dieser Stadt angelegte Bibliothekund die reiche Büchersammlung seines Freundes Pamphilus darboten.Die Nachricht des Hieronymus, er habe sich auch von Konstantin denZutritt zu allen Archiven Behufs derselben erbeten, lassen wir um someyr dahingestellt, als ans dem Werke selbst kein Gebranch derselbenersichtlich ist. Jndeß ist die Kircheugeschichte des Eusebius weniger einharmonisches Ganze, als eine oft nur lose verbundene Materialiensamm-lung, eine Mosaikarbeit, was sie auch nach den in seiner Vorrede an-gegebenen Gründen nicht wohl anders seyn konnte. Auch ist dieselbenicht blos historisch, sondern zugleich dogmatisch-apologetisch, da Eusebiusdurchaus den Zweck verfolgt, den göttlichen Ursprung des Christenthumsdurch seine Geschichte zu rechtfertigen und darzuthnn, weßwegen er auchderselben eine Abhandlung über die Person Christi als Einleitung voran-geschickt hat. Die darin herrschende Darstellung ist nicht gleich, sondernsehr mannigfaltig und verschieden, je nach Beschaffenheit der Quellen,welche Eusebius benützte. Denn statt die Nachrichten derselben zu einemGanzen zu verschmelzen, gibt er sie gemeiniglich wörtlich, oft mittenans dem Znsammenhange herausgerissen: indeß gewährt uns diese wört-liche Anführung seiner Gewährsmänner vor einer aus denselben mit desEusebius eigenen Worten verschmolzenen Darstellung den Vortheil, daßwir bestimmt wissen, was diese selbst gesagt haben. Spricht Eusebiuslelbst, so ist sei» Styl zwar kunstlos, aber keineswegs einfach; indemer erhaben seyn will, wird er nicht selten rhetorisch und schwülstig, oftist er auch mehr wort- als gedankenreich. Allein aller dieser Mängelungeachtet ist dieses Werk des Eusebius für uns von unschätzbaremWerths. Manche Nachrichten aus den ältesten Kirchenschriftstellern wärenohne dasselbe für uns auf immer verloren, über manche Partie deschristlichen Alterthums läge ein dichtes Dunkel; auch hat sich Eusebius durchAusarbeitung seiner Kircheugeschichte das indirecte Verdienst erworben,daß ein Sokrates, Sozomenus, Theodoret durch sein Beispiel veranlaßt.