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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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kann mir der, welcher in der Volksseele zu lesen, die dunklen Ahn-ungen zu denken versteht, der von vorher konstruierten Theorien ab-sieht und nur ans Wege denkt, jenen Ahnungen zum Lichte, zurGeburt im Bewußtsein zu verhelfen. Darum hat weder der ortho-doxe Protestant, noch der patriotische Chauvinist das Recht, einenStein gegen den orthodoxen Katholiken zu werfen. Wir kämensonst wieder in den schönsten Gefiihlskricg, in ein Stuck Mittelalter,das unbedingt zu vermeiden ist. Janssen hat aber selbst zumBündnis gegen „die Feinde jeder Religion" aufgefordert, und wirglauben, er hat sich nicht klar gemacht, was das heißt- „DieHandlungen der Einzelnen werden durch ihr moralisches Gefühl oderdurch ihre Leidenschaft vielfach beeinflußt, aber durch die entgegen-gesetzten Gefühle und Leidenschaften Andrer auch wieder ausge-glichen, so daß ihre Wirkung im Durchschnitt nicht zu bemerken ist,und die Summe der Handlungen der Menschen im Allgemeinen sichnach der Summe des Wissens richtet, welches die Menschheit besitzt."Das ist unsere Anschauung, und unsere Anschauung ist ferner, daßJanssen sich gar nicht klar zu machen vermag, daß der Mangel einesmystisch-religiösen Gefühles, wie er offenbar bei unendlich vielen Men-schen obwaltet und immer mehr obwalten wird, etwas ganz Natür-liches ist, daß Jrrcligiösität und Neligionsfeindschaft zwei hinimelweitverschiedene Dinge sind. Wir erinnern an unsere Definition desWortes „Religion". Nach dieser ist es nicht nur möglich, daß derviel verschrieene Atheist „Religion" hat, sondern wir behaupten, daßder Neligionstrieb in dieser Bedeutung des Wortes allen Menschengemeinsam ist. Wer gibt nun Janssen das Recht, zum Kampfe zurufen p Offenbar nur seine Leidenschaft, sein Glaube, sein Gefühl,seine Annahme, als Theologe sich um die Verbreitung des Gottes-reiches ans Erden bemühen zu müssen, lind da weisen wir Janssenzurück. Will er Toleranz, dann muß er sie für alle wollen, schließter eine Menschenkategorie von dieser Toleranz aus, versucht er es,das Leben dieser Menschen durch künstlich erhaltene Antiquitäten undiiberlebtheiten zu hemmen, so wird Kampf die Folge sein. Wir sagen,das „Nicht mehr glauben Können" ist ein Fortschritt der menschlichenGeistcsentwicklnng. Verlegt man diesem Fortschritt nicht nnr, sondernauch dem Leben des Volkes zu diesem Fortschritt die Bah», wird sichdas Leben desselben annehmen und versuchen, die stehen gebliebenen