VMmilemcht nnH Wissenschaft.
Hn einem Buche sind es gewöhnlich die ersten und die letztenSeiten, ans denen wir der Anschauung des Verfassers näher kämmen.Die ersten orientieren uns über die Punkte, von welchen der Verfasserausgeht, die letzten über das Ziel, Ivohin er gelangt ist. Sehen wiruns daraufhin die ersten Seiten des ersten Buches etwas intimer undgenauer au!
„Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bietet die Geschichte desdeutschen Volkes nach mehr als fünfzigjähriger Zersetzung der religiös-sittlichen und staatlichen Zustände und nach langer öder Ilnthätigkeitund Barbarei ans dem Gebiete des Unterrichts und der Wissenschaftdas erfreuliche Bild neuer gesunder Entwiekelnng." Das deutscheLeben strebte nach einer Reformation, meint Janssen, und diesesStreben stand „in wesentlichem Zusammenhang mit der welt-historischen Wirksamkeit des deutsche» Kardinals Nikolaus von Eues".Dieses Bild, dieser erste Eindruck, den uns Janssen vorführt, ist richtigund falsch; richtig, insofern das Bild in Heller Farbe steht, falsch,insofern die Schatten fehlen. Denn war auch mit dem Abschluß dergroßen Kvnzilienperiode und dem fast gleichzeitigen Absterben derLuxemburgischen Dhnastie der bisherige Verfall an eine gewisse Grenzegelangt, die zentralen Gewalten, Kaisertum und Papsttum, vermochtensich in den Mittelpunkt des deutschen Lebens nicht wieder hineinzu-schieben. Eben war der zweite große Städtekrieg zu Ende geführtworden, eine Entscheidung hatte er nicht gebracht, Fürstentum undStädtetnm hatten sich in ihren Positionen behauptet. Von einer zu-sammenfassenden Kraft war in Deutschland nichts zu spüren, und dem