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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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Wohlthätigkeitsanstalten — Asyle, Annen- und Hrankenhänser, ge-heime Brüderschaften nnd kirchliche Missionen der verschiedenste» Art,welche ans Milderung der zeitweiligen Leide» hinwirken, nni die Ar-mut etwas erträglicher zu machen, aber alle diese »nldthätigen Be-strebungen zusammen genommen können nur eine temporäre Erleichter-ung verschaffen, sie bringen keine gründliche Heilung der immer wiederaufbrechenden Wunden, die in dein unreinen Blut des ganzen sozialenSystems ihren Ursprung haben. Je tiefer diese Wunden eingreisen,um so notwendiger werden derartige Wohlthätigkeitsanstalten; sod a ßeine Verviclfältigung derselben, an st att den ch r istli ch e nCharakter unserer Eivilisation zu zeigen, Beweisevom Gegenteil sind". Der Mann ist also genau nnsrer An-schauung, nnd wenn wir nun auch so rechneten, daß die große Wohl-thätigkeit das Übel nicht zu heilen vermochte, daß alle Wallfahrten,Bittgänge nnd Opfer sich als ergebnislos auswiesen, daß also derZweifel an der Nichtigkeit dieses Glaubens naturgemäß einsehen mußte,sollten wir da nicht einen viel natürlicheren Weg des Abfalls voruns haben, als welchen Janssen uns gewiesen? Ist es denn so un-natürlich, daß in der Reformation gerade der Kampf um die gutenWerke ein so furchtbarer wurde?

Die Bibel in der Hand des Volkes! Janssen, Geiler vonKaisersbcrg und andere bestreiten „die Ersprießlichkeit der vollständigenheiligen Schrift in den Händen des Volkes". (S. 693.) „Selbst deingelehrten Exegeten biete die Schrift Schwierigkeiten genug, wie vielmehr der unwissenden Menge!" Wir sagen zunächst, daß ja dem ge-lehrten Exegetcn jedes Buch Schwierigkeiten bieten wird, währenddem natürlich gesunden Sinn des Volkes ein natürlich gesundes Buchnicht viele Schwierigkeiten bereiten wird. Dann aber fragen wir, wokam denn die „unwissende Menge" her? Janssen hat doch erzählt,wie für die allgemeine Bildung gesorgt worden sei. Er scheint alsoselbst zuzugeben, daß für das „Wissen", für die Vermehrung nndVertiefung desselben eben doch nicht allzuviel geschehen sei. — „Esist gefährlich", meint Geiler-Janssen, „Kindern das Messer in dieHand zu geben, um sich selbst Brod zu schneiden, denn sie können sichverwunden". Das ist Mönchsdoklrin, welche sich im ganzen Erzieh-nngswesen jener Zeit mit ihrer negativen Weisheit breit macht. Wirsagen, wer nie ein Messer in die Hand nimmt, wird nie es handhabe»,