Druckschrift 
Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
241
Einzelbild herunterladen
 

neben der alteren zn Macht nnd Ansehen erhoben hatte und seit demzweiten Jahrzehnt des sechszehnten Jahrhunderts in ,festem geschlossenemBnnde^ auftrat: so erkennen wir, daß der Theologe dem Geschichts-forscher die Binde wieder über die Augen gezogen hat, daß dieser janicht zuviel erkenne. Zu Macht und Ansehen kann es natürlich nureiner bringen, wenn eine andere Macht nnd ein anderes Ansehen be-reits untergraben sind, nnd nicht durch die jüngeren Humanisten kamdie Untergrabung der kirchlichen Autorität, sondern diese kam durchdie kirchliche Praxis ganz von selbst, nnd erst auf Grund dieser Unter-grabung konnten es die jüngeren Humanisten zn Macht nnd Ansehenbringen. „Nicht die Fälschung der heiligen Schriften von Seiten derJrrlehrer, auch nicht die Scheingründc der neuen Prädikantcn trügendie Schuld an der Auflehnung so vieler Städte nnd Länder gegenden wahren Glauben; der eigentliche Grund liege in dem überausärgerlichen Leben des Klerus" meinte später der Jesuit Faber nndJanssen meint ebenso, er habe „die Hauptgnelle des Übels richtigerkannt". (Vgl. Band IV. S. 370.) Also Janssen steht sich wiedereinmal selbst im Licht, lind obgleich er nun erst im folgenden Bandedie Darstellung des jüngeren Humanismus beginnen will, hängt erihm doch schon hier etwas an, indem er vorgibt: „Sie wollten dasAltertum nicht als Bildnngsstoff, sondern als ein Lebenselement derneueren Völker betrachtet wissen nnd an Stelle der unerbittlichen christ-lichen Sittenlehre die bequeme Lebensphilosophie der Alten einführen."Der Irrtum der Humanisten liegt doch etwas anders. Nicht dasAltertum wollten sie als ein Lebenselcment der neueren Völker be-trachtet wissen, sondern die Vernunft, den Verstand, nur waren sieleider in der Schule dahin geführt worden, die Vernunft der Altenals die Ilniversalvernnnft zn betrachten. Der Formalismus der Lehrerdie Vernachlässigung „realer" Kenntnisse hatte ihnen das angethan.Die beliebte Gegenüberstellung einer „unerbittlichen christlichen Sitten-lehre" nnd einer „bequemen Lebensphilosophie der Alten" müssen wirdem Theologen zn gute halten. Die kirchliche Absolntivnsprapis istmeiner Ansicht nach doch sehr bequem. Ob sie aber mit ihrer mysti-schen Umhüllung dazu angethan ist, die Erkenntnis begangener Fehlerzu fördern und so eine Besserung zustande zn bringen, ist mir fraglich.Jedenfalls arbeitet einer wirklichen Erkenntnis unsere reale nnd positiveNaturwissenschaft weit kräftiger vor, zu der wir bekanntlich gekommen

rk