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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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schweigt nun nicht mehr, sondern redet wacker los, aber die Geschichtekommt dabei doch zn kurz, weil eben Janssen diese Erscheinungen twn„Mißbrauchen und Ärgernissen ans kirchlichem Gebiet" ans dem Zn-sammenhang der ganzen Darstellung losgerissen hat. Man erkenntnicht, daß hier ein treibender Faktor und zwar der stärkste in jenerganzen Bewegung Nor unsere», Blicke erscheint, lind dieser Faktornur nehmen auch hier wieder an, daß die Janssensche Lehre die klarerkannte und klar verkündete Lehre der Kirche in jener Zeit war ^hieß mit einem Worte: die Verdunkelung der kirchlichen Lehre durchdie kirchliche Praxis. Also eine Reformation, eine Renaissance warschon deshalb nötig.

Wenn Janssen ans die Zerrüttung der volkswirtschaftlichen Ver-hältnisse hinweist, so hätte er sagen müssen, daß auch das Papsttumzn de» Großkapitalisten und Prcissteigerern zählte, denn wer bezahltedie enormen Summen, welche für Pallien und andere kirchliche Handels-artikel nach Rom abgeführt wurden? Das Volk! — lind wen»Janssen die wachsende Macht und den Egoismus der Fürsten unddes hohen Adels bespricht, so hätte er mitteilen müssen, daß dieseHabsucht von Rom ans fortwährend begünstigt wurde, daß also dieZersetzung des deutschen Lebens hier ihren Rückhalt fand, denn Rommachte die Fnrstensöhne zn Bischöfen, die adeligen Nebensprößlinge zuvielfachen Pfriindenbesitzcrn. lind wer bezahlte dafür? Das Volk!— lind wenn Janssen sich früher über die Pflichtvergessenheit desdeutschen Reichstages gegenüber den Ordensbändern entrüstet, die manfremder Herrschaft preisgab, so hätte er hinzufügen sollen: aber diesePflichtvergessenheit hatte ihre Gegenseite in der gerechten „Mißachtung"welche der deutsche Orden erregte, „der keine andere Aufgabe mehrzn haben schien, als über ein bestimmtes Gebiet landesherrliche Hoheitauszuüben und kraft seiner geistlichen Vorrechte die Kirche zu verwelt-lichen". (S. 597.) - lind wenn Janssen beklagt, daß die Früchte„des Zeitalters deutscher Reformation" vereitelt ivnrden, so hätte erhinzufügen müssen, daß gerade diese Reform in den kirchlichen Kreisenden energischsten Widerstand zn erfahren hatte. (S. 597 f.) — lindwenn Janssen dann sagt (S. 598): „Das durch die sozial-kirchlichenVerhältnisse entstandene Ärgernis wurde zur Untergrabung 4>er kirch-lichen Autorität und der religiösen Überzeugung des Volkes planmäßigausgenützt von einer jüngeren Humanistenschnle, welche sich allmählich