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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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ganz gut aus eigenen Erzengnissen ernähren, bei zwanzig Millionenwird der Handel einsehen müsse», die industrielle Thätigkeit »ins; Warenschaffen, die man gegen Nahrung eintauschen kann, bei fiinszig Milli-onen wird schließlich der Ackerbau ganz aufhören, und Handel undIndustrie das absolute Übergewicht erlangen. Deshalb allein brauchtaber ein Volk noch nicht krank zu sein oder krank zu werden, aber die Ge-fahr liegt nahe, daß man sich die Not über den Hals kommen läßt,daß man nicht in die Zukunft schaut, sondern nur die Gegenwart,oder gar die Vergangenheit betrachtet, daß man, statt sich von derNotwendigkeit zu Neuem lenken zu lassen, am Alten hängen bleibt undes der Not überläßt, sich selbst für einige Zeit wieder anfznhcben. Somachten es die Leute, die mit dem großen Sterben rechneten; so machtenes die Theologen, als sie das Volt mit Lehren ans der Ackerbanzeikdrangsalierten, welches ans der Ackerbanperiode hinansznwachsen im Be-griff stand. Die kirchliche Lehre, daß man bor allein dafür zu sorgen habe,daß ein Volk ein Banernbolk bleibe, war eine grundfalsche, sie war derEntwicklung des Volkslebens gegenüber eine absolut reaktionäre undverwerfliche, welche, in die Praxis überseht, das Leben, die gesunde Ent-wicklung dieses Volkes notwendig beeinträchtigen und gefährden mußte.

Und nun müssen wir eine Thatsache ins Auge fassen, von derwir allerdings bei Janssen nichts vernehmen, die er selbst nicht ent-fernt z» streifen vermochte, weil ihm der Theologe im Wege stand.Das deutsche Volk war ein Banernbolk, in früherer Zeit ausschließlich.Friedrich Barbarossa ging nach Italien, um die Städte zu bekriegen.Die Lombardei sollte wieder ein deutsches Bancrnland werden. Dasging nicht. Friedrichs Plan fiel ins Wasser. Das zerstörte Mailanderhob sich mächtiger als znvor, ebenso erstarkten Genna, Venedig unddie vielen prächtigen Städte Ober- und Mittelitaliens. Italien bliebein Städteland und ward es mehr, als je znvor. Aber auch inDentschland sehte die städtische Entwieklnng mit aller Macht ein. Nachdein Abgang der Stanfer übernahmen die Städte die thatsächliche Führungdes deutschen Lebens. Italien war voran, Dentschland folgte. Der alteBoden ward verlassen, ans dein einst Kaisertum und Papsttum ihren Macht-ban aufgeführt. Es wäre nun sehr schön gewesen, wenn Kaisertum undPapsttum dieser neuen Entwicklung Rechnung getragen hätten. Die Kirchemachte einmal Miene dazu, als sie die Städteorden der Franziskanerund Domiiiikaner sanktionierte, sie machte ferner Miene dazu, als sie