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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
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sätzen kommen, »nd solche schöpft man nicht ans der Luft, sondern siewerden vom Leben langsam nnd allmählich gebildet. Indem nnnaber Janssen seine Autoren solche Grundsätze aufstellen läßt, geht erwieder den nnigekehrten Weg. Sind die religiösen Schäden Folgender sittlichen, nnd diese wiederum die Folgen anderer, mehr materiellerSchäden, wie uns dies Janssen in der Einleitung gezeigt hat, somußten die Reformatoren auch nicht mit der Aufstellung neuer oderalter sittlichen Grundsätze beginnen, sondern sie mußten an der ma-teriellen Basis zuerst anfassen nnd die Lebensgesnndheit wieder zuerzeugen versuchen. Gerade dieser Arbeit zeigten sich die sogenanntengeistigen Führer, da ihnen „reale" Kenntnisse nicht waren mitgegebenworden, sondern ein ans Antike nnd Kirchenlehre gemischtes Ideal,ein „abgeschlossenes Ganze", nicht gewachsen.

Ans einen andern, sehr bedeutsamen Punkt haben wir nnn auf-merksam zu machen: die Grnndverschiedenheit nnd Gegensätzlichkeit inden von Janssen angeführten Ansichten. „Nnr die Arbeit schafft An-spruch ans die Güter der Erde"; „Arbeiten heißt Gott dienen nachseinem Gebot"; Arbeit ist Pflicht, sagen die einen; „der Mensch wirdznm Arbeiten geboren, wie der Vogel zum Fliegen", also die Arbeitist des Menschen Natur, sagen die andern; wieder ein anderer nenntdie Arbeit „das nnansweichliche Joch der Strafe", „eine Last", nndans der folgenden Seite (S. 401) erscheint sie als „freie That nndsittliche Pflicht". Janssen redet natürlich überall mit, er merkt esnicht, in welcher Konfusion er sich bewegt. Wenn die Arbeit ein Jochist, kann sie keine freie That mehr sein, wenn sie eine Last ist, eineStrafe, ist es mit der sittlichen Pflicht zu Ende, wenn sie des MenschenNatur ist, ist sie weder ein Joch noch Last, noch freie That, nochsittliche Pflicht, sondern einfach die Erfüllung einer Naturnotwendigkeit.Was ist also die Arbeit? — Sagen nur einmal, sie sei Naturnot-wendigkeit. Naturnotwendigkeit ist aber auch die Ruhe, d. h. dieNegation der Arbeit. Im gesunden Leben lösen beide einander ab.Im kranken Leben hört die Arbeit ans, der Mensch verfault, er ver-liert immer mehr die Möglichkeit der Existenz. Ich kann mich fürArbeit oder Müßiggang entscheiden, sagen die Lehrer vom freienWillen; wir sagen, nein, wir können das nicht. Der gesunde Menschkann sich nicht für Müßiggang entscheiden, er verlangt nach Arbeit nndBethätignng seiner Kraft, und der kranke Mensch kann sich nicht für