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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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lehnen aber anch nach seinen früheren Schilderungen seine Schlnß-fvlgernng (S. l112) ab, „daß man nach nicht in die traurige Not-wendigkeit versetzt war, den zu niedrigen Lohn ,des armen Arbeiter-standes^ durch Armenpflege ans den notwendigen Bedarf zu ergänzen",denn das von Janssen geschilderte Wachstum der Wohlthätigkeits-anstalten belehrt uns eines andern. Es scheint nach diesen Schilder-ungen doch sehr viele Leute gegeben zn haben, die Wohlthaten nötighatten.

Die Not war im Anzüge, und fragen wir nun, ob Janssen unsmit seiner Schilderung einen Beitrag zur Erkenntnis des Ursprungsder Not gebracht hat, so sagen wir: nein! Schon die eine Thatsache,die Janssen mit so viel Begeisterung hervorhebt, der fortwährendeHinweis ans das Leben im Überfluß, hätte ihn bedenklich machen sollen,er hätte sich fragen müssen, ob dasselbe nicht etwa nur ans Kosteneines andern Gebietes ermöglicht wurde, ob nicht unter diesem Egois-mus des einzelne» das Allgemeine zu leiden hatte, ob die landwirt-schaftliche Ordnung mit der inneren und äußeren politischen Ordnungim Gleichgewicht und im Einklang stand? Wir werden die Klagenhören, wenn Janssen erst das politische Gebiet betritt. — Was hatdas deutsche Leben krank gemacht? Janssen blieb uns die Antwortbisher schuldig. Also wiederum trotz seiner Bestrebungen, die Geschichtesich durch sich selbst erklären zn lassen, ein negatives Resultat! Diescholastisch-philologische Thatsachenmethode reicht eben allein nicht ans.

Wir folgen der Jansscnschen Darstellung nun ans das Gebietdes gewerblichen Arbeitslebens. Er macht da gleich zn Anfang einenkleinen Rückblick und erläutert denselben im Register mit der Frage:Wer die Entwicklung der gewerblichen Arbeit am meisten gefördert?Antwort, im Register nnnmwnnden, im Texte beschränkt: „Verdiensteder Klöster und der Bischöfe." (S. lllfl.) Zum Beweise seiner An-schauung, daß die Kirche Trägerin der gewerblichen Arbeit gewesen,führt Janssen einige Worte Wilhelm Arnolds, aus dessen „Recht undWirtschaft nach geschichtlicher Ansicht" an. Wir sehen uns diese Worteetwas an. „Nur an das nächst Liegende sei erinnert, daß Jahrhundertelang aller wirtschaftliche Fortschritt von den Bistümern und Klösternausgegangen ist, daß ohne die Kirche keine Städte möglich gewesenwären. . . Ackerbau, Knnstflciß und Verkehr sind alle drei ans diedirekteste Weise von der Kirche gefördert worden; ganz besonders aber