— 148 —
auch hier nicht zurück auf den Weg der bisherigen Entwicklung, amoder ihm ein Urteil über den gegenwärtigen Stand der Dinge, sowieüber die fernere Entwicklung derselben hätte erwachsen müssen, sonderner urteilt abstrakt und kommt zu dem Schlüsse, „daß beim Ausgangdes Mittelalters das Eigentum an dem größten Teil von Grund undBoden sich nicht mehr in der Hand der Grundherr», sondern in derHand der damit Beliehenen befand und der Herr selbst daran »nrmehr ein Dienst- und Zinsrecht besaß. Die Güter der Grnndhörigenwaren demnach, so gut wie die frcibänerlichen, selbständige Besitzungen."„Nur mehr" und „so gut wie" ^ das ist genug. Es war die Frage,ob sich die demokratische Entwicklung weiter zu bilden die Kraft haben,oder ob die Grundherrn ihr ein Halt zurufen würden, aus dem „nurmehr" ein „kein" und ans dem „so gut wie" ein „wie" werden würde,ob sich die Entwicklung in der Richtung zur Freiheit fortbewegen oderin der Richtung zur Knechtschaft und Leibeigenschaft zurückgedrängtwerden würde? Unser Autor wirft dann einen Blick auf die Rechteund Pflichten der Grundherrn und Grnndhörigen, wie sie in den Weis-tüinern niedergelegt sind, er bespricht die Regelung und Abgaben derFrondienste und kommt zu dem Schlüsse, daß das Verhältnis desarmen Mannes zu seinem Guts- und Dienstherr» keineswegs ein un-würdiges und erdrückendes war. Janssen gibt sich nun an die Klein-malerei, und es sind in ihrer Art nicht uninteressante Bilder, welcheer da entwirft. Aber daß ein Umschwung in den volkswirtschaftlichenVerhältnissen bevorstand, daß er nötig wurde, geht ans diesen Bildernnicht hervor. Wir überlassen diese also der freundlichen Kenntnis-nahme des Lesers und halten uns an die einzelne» wenigen Andeut-ungen und Anmerkungen. Ans Seite 283 erscheint in einer Anmerk-ung die Frnchtwechselwirtschaft. Ans dem durch viele und volkreicheStädte durchsetzten Boden Flanderns zeigte sich zuerst das Bedürfnis,das ganze Feld zum Ertrage heranzuziehen und nicht ein Drittel des-selben in der Brache liegen zu lassen. Erst um die Mitte des vorigenJahrhunderts wird diese Einrichtung von deutschen Schriftstellern wieeine neue Entdeckung behandelt. Und da ist es ebenso daS thüringischeSlädtegebiet, namentlich die Gegend um Erfurt, Ivo dieser Fortschrittzuerst in ein System gebracht wurde, ein Zeichen, wie langsam der-selbe sich Bahn zu brechen vermochte, trotzdem dieser Schritt vorwärtsin Flandern schon in der Zeit der letzten Burgunderherzoge vollzogen