dentnng der zur allgemeinen Schriftsprache vordringende» Dialekte zuerfassen. „Man schrieb beim Ausgange deS Mittelalters noch in ver-schiedene» Dialekten, aber ans einem Gemisch von Oberdeutsch undNiederdeutsch, oder mit andern Worten vorzugsweise ans der Mund-art des mittleren Deutschlands war im Lauf des fünfzehnten Jahr-hunderts das sogenannte ,gemeine Deutscht entstanden, welches haupt-sächlich durch die Bemühungen Kaiser Maximilians als allgemeineReichs- und Kanzleisprache durchdrang." Hätte Janssen ans dasWerden der Dinge gesehen, wie zur Stanferzeit die schwäbische Sprachevordrang, wie in den Zeiten Ludwig des Bayern das bayerische mehrzur Geltung kam, er würde verstehen, warum nun das Mitteldeutschezur Herrschaft emporstrebte. Denn hier lag nun der Schwerpunkt desgeistigen Lebens. lind das; das Mitteldeutsche durch Luther „zur all-gemeinen Schriftsprache" werden konnte, zeigt, wie in dem geistigenLeben Deutschlands sich das Bestreben nach nationaler Einigungebenso sehr bemerkbar machte, wie es in seinen politischen Bestrebungenzn Tage trat, wie es einst in den Zeiten der Staufer, wie KaiserLudwigs sich in seiner nationalen Eigenart zn behaupten und konsoli-dieren strebte. Nur ans einem Gebiete ward die Einigung damalsmöglich, ans dem der deutschen Sprache, sie war möglich durch denEintritt der Obcrsachsen in das deutsche Geistesleben, und jener Gegen-satz, der in der Stanferzeit bestehe» blieb zwischen dem Schwäbischenund Sächsischen, ward nun überbrückt. Trotz der „gewaltsamen Stör-ung" haben wir nun die Gewißheit, daß auch iu Deutschland einSamenkorn aufging, und daß dieses allein genügen wird, bei günstigerGestaltung der Dinge, das Bestreben zur Einigung auch für die Zu-kunft fortzupflanzen und wach zu erhalten, den» gerade die Spracheist, wie nichts anderes, der Träger der nationalen Bildung, linddieses Samenkorn zn rauben, es zur weiteren Frnchtbringnng untaug-lich zn machen, ist dem Nvmanismns so wenig damals geglückt, wiees ihm früher geglückt ist, und daß gerade Luther der Hanptanteilan dieser Rettung zufiel, ist, wie es kein Zufall ist, so auch deseinigen Dankes aller Deutschen wert.
Janssen schließt nun dieses zweite Buch mit einem Gesamtnrteilüber Deutschland in jener Zeit. Dazu bringt er Urteile von Zeit-genossen bei, von denen das interessanteste ohne Zweifel dasjenigeMacehiavcllis ist. Der italienische Staatsmann erkennt an, daß in