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die „Feinheit und den Scharfsinn in ihren Beobachtungen" bewundert,sich die Begründung seiner Meinung denkt, die beiden gehörtennoch ganz der alten Zeit an. Beruft er sich ans das „christlich-german-ische", so hat er recht, aber wir erkannten in diesem Elemente selbstbereits den Keim zu einem Neuen, ein Werdendes. Beruft er sichans ihr „vaterländisches Wesen, ihren deutschen Ernst und deutschenHumor", so hat er wieder recht, denn das ist als solches nichtsNeues, aber auch nicht in der Weise, wie es bei den beiden auftritt?Gesteht Janssen nicht selbst zu, daß in der Knnst dieser beiden einEtwas lebte, was weit hinaus in die Zukunft zeigte? Meint er nichtselbst, ihre Kunst sei nicht zur vollen Entfaltung gekommen? „Diehereinbrechenden religiösen Wirren haben ihre Knnst gelähmt." NunDürer starb bereits 1528. Er kränkelte seit 152t). Läßt sich nichtdie Thatsache, daß er bis dahin seine Hauptwerke schuf, viel natür-licher mit dem allmählichen Erschöpfe» seiner menschlichen undkünstlerischen Energie erklären? lind ist nicht für Holbein gerade derUmstand überaus bezeichnend, daß er ans dem Boden eine zweiteHeimat suchte und fand, aus dem alsbald ein William Shakespearehervorging? Janssen stellt einen Vergleich bei Besprechung der Dürer-schen Holzschnitte und Handzeichnungen mit dem „Heliand" an.(S. 177.) „Wie der Dichter des ,HclianiH den ganzen lebendigenStrom des Evangeliums in sein sächsisches Heimatland leitet undEhristns und seine Jünger ins deutsche Leben versetzt, gleich als hättedie heilige Geschichte ans deutschem Boden sich zugetragen, so gehenauch dem Künstler die kirchlichen Thatsachcn und Legenden ganz inder Gegenwart vor, unter den Bedingungen seines Volkes. Hier ver-schwindet alle Ferne, alle Fremdheit, alles wird nahe gerückt, warmund seelenvoll. Der Geist der Zeit, aus dem Dürer schöpfte, unddem er selbst wieder als Erklärer und Verkündiger diente, empfängthier seine reinste Beleuchtung." Und dieser Geist der Zeit, ans demauch ein Luther schöpfte, ist nichts Neues? „Das Christentum mußdeutsch werden." Das ist das neue Evangelium, dem der Dichterdes Heliand zuerst stammelnden Ausdruck verlieh, dem der KünstlerDürer seine mächtige Kraft widmete. Es ist immer wieder der gleicheProzeß, und die Mächtigkeit dieses Natnrprozesses ist so gewaltig undgroß, daß sich ihr der Theologe Janssen selbst nicht zu entziehen ver-mag. Er redet hier mit uns, als gäbe es gar nichts Natürlicheres