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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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in der Welt, und doch steht derselbe Manu, der hier so redet, anseinem ganz andern Boden, wenn er von den Werken der Phantasiezu den Werken des reinen Gedankens hiniiberschreitet. Dann empörtsich der angelernte Romane in ihm, daß die Deutschen solche Fredlersein konnten, fiir sich der Kirche eine neue, eine deutsche Grundlageund keine romanische geben zu wollen. Ja wohl, die Kunst schafftkeine Verbindlichkeit, aber das ausgesprochene Wort schafft sie. linddaß man die Werke der Kunst sehr willkürlich deuten kann, zeigtJanssen bei der Besprechung der drei hervorragendsten KupfersticheAlbrccht Dürers (S. 179): Ritter, Tod und Teufel, der hl. Hiero-nymus und die Melancholie. Wir enthalten uns, den vorhandene»Deutungen eine neue hinzuzufügen, denn alle diese Deutungen sagennur: Das und und das lese ich aus einem Werke der Kunst. Wasich aber herauslese, braucht noch lange nicht identisch zu sein mitdem weltenverknnpfenden Phantasiegedanken des Künstlers selbst. Je-denfalls aber stand Dürer der Tendcnzmalerei, die Janssen ans seinenStichen macht, sehr fern; es ist das Fließende des Gedankens, diegewaltige Phantasie, welche uns in ihnen packt, die uns durch dieseBilder in die direkte Verbindung mit dem ewigen Strome des all-gemeinen Geisterlebens emporhebt, nicht aber dieser oder jener voneinem Gelehrten hineingeklügelte Gedanke, der in der Behandlungeines andern ebenso gut zum Gegenteil zu werden vermag. Bezeich-nend auch ist für Janssens Knnstanschannng, daß er es der Untersuch-ung empfiehlt, „ob nicht die Anfertigung dieses Blattes (Ritter, Todund Teufel) im Jahre 1513 zu der Abfassung jenes großen allegori-schen Gedichtes in Beziehung steht. Es wäre — meint Janssen —„das würdigste Titelblatt für de» Thenerdank gewesen". Also ei»Kunstwerk als solches, in seiner unermeßlich geistigen Tragweite, ansdem ewigen Flusse heraus, in den es der Künstler erhoben, indemer gerade vom Einzcldinge absah und in die Allgenieinheit emporstieg,zu betrachten und zu beurteilen, ist einem scholastischen Ästhetiker un-möglich, er muß die Ähnlichkeit mit irgend einem Hans oder Easparsehen, dann gewinnt das Ding auch für ihn Interesse. Für denoffenängigen und offenherzigen Menschen beruht die Bedeutung derDürerschen und Holbeinischen Schöpfungen eben in der Thatsache, daßsie aus dem Flusse heransgeschaffen sind, in denen sich damals dasLeben des deutschen Volkes befand, daß sie in die Vergangenheit