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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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Lebenskraft der Kirche ruhte eben auch in diesen! mächtig sich hebendenVolksleben, aber nicht umgekehrt dieses ans jener. Es kam auch hierdarauf an, ob die Kirche, wie sie damals „noch weit entfernt war,den Flug des Geistes zu hemmen", auch fernerhin sich nicht alsHemmnis erweisen wurde. Daß sich der stolzemporgewachsene deutscheBürgersinn auch in religiösen Vanten aussprach und sein Bestes fürsie zu opfern bereit war, war absolut natürlich. Aber es war dieFrage, ob die bau der äußeren Form an das Innere, an den Inhaltvordringende Geistesrichtnng, wie sie sich in der Zersetzung »nd Durch-brechung der alten konstruktiven Grundlage durch die Ornamentik fürjeden Sehenden ausspricht, auch in der Kirche eine Stütze und neuenHalt, und damit eine neue konzentrierende schöpferische Kraft findenwürde.

In einem zweiten Abschnitt behandelt Janssen die Bildnernund Malerei und da kommt er gleich in der Einleitung wieder zueinem halben Erkenntnis, welches mit seiner Grnndanschannng nichtharmonirt. „Obwohl die Kunst ein Gemeingut der Menschheit istund ihre nationalen Wurzeln in dem allgemeinen menschlichen Geistes-leben findet, so ist sie andrerseits doch auch wieder ein Erzeugnis desmenschlichen Geistes in seinem nationalen Gepräge. Gleich der Spracheund Sitte wächst sie an der Hand der Religion ans dem Volke her-vor." (an der Hand der Neligion? Sind nicht beide, Kunst »ndReligion und mit ihnen Sprache und Sitte Erzengnisse des Volks-wachstnmes selbst?) Janssen spricht ferner davon, daß „die damaligendeutschen Künstler durchaus national waren in Entwicklung und Wesen",und weil sie darin national waren, „so waren sie es ebenso in ihrerKunst. Man kann sogar die Eigentümlichkeiten der verschiedenendeutschen Stämme ans ihren Kunstwerken herausfinden; selbst jedegrößere deutsche Stadt besaß, wie ihren eigenen Dialekt, so auch ge-gewisse eigentümliche Nnanciernngen ihrer Kunst." Janssen erkenntalso hier die Berechtigung der Nationalität, des Stammes, ja dasindividuelle Gepräge der einzelnen Städte und Künstler an. Wirwerden im Auge zu behalten haben, ob er sich hierin überall undimmer konsequent bleiben wird. Andrerseits möchten wir dem in derGeburt steckengebliebenen Gedanken von „dem Wurzeln im allgemeinmenschlichen Geistesleben und dem Erzeugnis des menschlichen Geistesin seinem nationalen Gepräge" zum freien Dasein verhelfen- Das