deutsche Kaisertum ging mit dem halbfranzösischen Luxemburger Ge-schlecht au die Ezechen über - es ist die Zeit, da der Verfall derchristlich-germanischen Kunst laugsam einsetzt, es ist die Zeit, da derGedanke au „Konkordate" mit der Kirche heranreifte, da die Not-wendigkeit z»ni Bewußtsein empordrang, das nationale Leben dereinzelnen Völker mit den kirchlichen Prinzipien „in Einklang zu bringen",ein Versuch, dessen Verwirklichung, wie nun direkt durch die großenKonzilien, so ans dem Gebiete der Kunst bereits indirekt durch denchristlich-germanischen Stil, so in der Philosophie durch die Mhstikerangestrebt worden war. Also dieses „christlich-germanisch" bedeutetetwas, und es bedeutet etwas ganz anderes, als Janssen sich träumenläßt. Es ist der Wcekrns des deutschen Protestantisinns ans demGebiete der Kunst gegen den Nomanismus. Wir dürfen dabei nichtan den Protestantismus denken, wie ihn später die Not geboren,sondern »vir müssen im Auge behalten, daß die Deutschen nicht darandachten, sich von der allgemeinen Kirche zu trennen, daß sie aberwohl daran dachten, dieser Kirche in ihrem Lande diejenige Form zugeben, welche dem deutschen Eharakter angemessen war und eine Fort-entwicklung des nationalen Lebens ermöglicht hätte. Es sollte zueinem „Konkordate" kommen, wie es ans dem Gebiete der Kunst zueinem solchen im „christlich-germanischen" Stil bereits gekommen war.Findet aber Janssen, daß gerade die Bezeichnung des christlich-ger-manischen Baustils als „der architektonische Gedanke des Christentums"eine treffende sei, desjenigen Stiles, der nach Lübkes treffender Be-merkung die Tendenz hatte, die Massen aufzulösen und zu durchbrechen,den baulichen Körper in eine Summe zusammenwirkender Einzelgliederzu verwandeln, also das universale Prinzip, wie es im romanischenStil z» Tage getreten, individualistisch zu durchdringen, so gesteht erdamit zu, daß die ganze christliche Kirche erst durch die Gemüts- undGeistesarbeit der Germanen zu ihrem Höhepunkt hinaufgeführt werdenkonnte und hätte hinaufgeführt werden sollen. Hätte Janssen diehistorische Entwicklung christlich-germanischer Kunst im Auge behalten,er würde nicht zwischen zwei Stühle geraten sein, sondern den schöpfer-ischen Selbstdrang des deutschen Volkes auf allen Gebieten, nichtbloß in der Kunst oder dem Recht, wie wir bei Zasins sahen, ent-weder anerkannt oder verworfen haben, denn ob ich als Lebensprvduktden Sachsenspiegel dem römischen Rechte gegenüber, oder den christ-
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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119
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