Druckschrift 
Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

tnmes trug?" Und >ver hinderte es jetzt, unter diesen fremden Götzenwenigstens nach eigener Wahl zu wählen? Nein, Herr Janssen, auchdie Kunst hätte in das Stadium eines freien Geisteslebens hinnber-treten fallen. Eine neue Zeit kündigte sich an, sie kündigte M^nin, Verfalle der alten Knnstfarmen, wie des alten Glaubent^s^^kündigte sich an in dem Suchen und Streben nach neuen Gedankenund neuen Formen, denn die neue Zeit bedurfte eben auch einer neuenKunst. Ist sie gekommen? Man sehe dahin, Ivo die Macht der fort-schreitenden Bewegung stärker war als die der rückläufigen, man sehedahin, wo die Entwicklung, wenn auch gehemmt, so doch nicht dauerndunterbrochen wurde, die Entwicklung eines germanischen Volkes! Eng-land und William Shakespeare! Vielleicht entdeckt der „Historiker"Janssen noch, daß auch dieser Mann die kirchliche Weihe empfangenund mit der Tonsur zur Welt gekommen.

Die Privatmeinnng unseres Mentors ist also auch in dieseneinleitenden Worten wieder niedergelegt: die Kirche beherrschte nochalle Geister! Wir übersetzen uns das in ein unverfängliches und un-zweideutiges Deutsch: das damalige Geistesleben des deutschen Volkesberuhte noch auf dem Glauben und Gcmütsleben des Volkes, alsder natürlichen Aufangsstnfe jeder geistigen Thätigkeit. lind dieserGlaube und dieses Gemütsleben drang deshalb auch in den Schöpf-ungen jeuer Art von Geistesbethätiguug namentlich hervor, welche inerster Linie als der natürliche Ausdruck desselben zu betrachten ist:in der Kunst. Wenden wir uns der Baukunst zu!

In meiner baherischen Geschichte (Bd. II. S. 688) urteilte ichfolgendermaßen: „Die Kunst schafft keine Verbindlichkeit, erst der aus-gesprochene Gedanke, das unnmstoßbare, mit festem Begriff verbundeneWort schafft eine solche, lind so sahen wir denn damals, wie heute,wie zu allen Zeiten dieselben Leute sich für eine Kunst und Kunst-richtung begeistern, die den in solcher Kunst eingehüllt liegenden Ge-danken, wenn er ausgesprochen wird, wenn er als „Wort" erscheint,fliehen wie die Pest, lind doch hätte man die deutschen Baumeisterebenso in Acht und Baun thnn müssen, wie man die deutschen My-stiker, die deutschen Theologen, die deutsche Bibel in Acht und Baunthat. Es ist dasselbe Wirken gleicher Kräfte nur ans verschiedenenGebieten." Zu diesen Leuten gehört auch Janssen. Er gesteht zu, „daßdie in den Klöstern (?) großgezogene deutsche Kunst, wie das Mönch-