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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
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Mit welchem historischen Rechte uns Janssen nun zu». Besucheder „deutschen Neichshanptstadt Wien" einladet, ist uns nicht ersicht-lich. Eine deutsche „Neichshanptstadt" gab es in damaliger Zeit nochnicht, und Wien hätte es erst werden müssen. Der deutschen Ver-gangenheit widmete bor allen andern Kaiser Maximilian selbst einengroßen Teil seiner großen Kraft. Was unter seinen Ausspizien ansdiesem Gebiete geschaffen, gesammelt und geforscht wurde, wir Deutsch-land ihm immer zu danken haben. Unter seinen Gelehrten war erzu Hanse, da erfaßte ihn auch der demokratische Zug seines Zeitalters;seine Meinung war, „die Gelehrten seien es, die da regieren und nichtnnterthan sein sollten, und denen man die meiste Ehre schuldig wäre,weil Gott und die Natur sie andern vorgezogen." Und nicht zumwenigsten ist es gerade dieser Zug, der ihn zu dem volkstümlichstenManne seiner Zeit gemacht hat. Aber schon in der DarstellungJanssens von diesem ungemein reichen und belebten literarischen Treibenam Wiener Hofe steckt etwas, das uns bedenklich macht. Er sprichtdavon, daß die Universität Wien „zur ersten Hochschule Europas er-hoben werden sollte." Glaubt Janssen, daß sich so etwas machenläßt? Ein solches Werk will wachsen, langsam und sicher, es bedarfda einer langen, fortgesetzten und unermüdlichen Arbeit, welche dielebendige» Traditionen schafft, auf denen dann von Generation zuGeneration weiter fortgcbant werden kann, fortgebant nicht nnr indie Höhe, sondern zugleich in die Breite. War das in Wien derFall? Ja und Nein! Wien war die Zweitälteste der deutschen Uni-versitäten. Einem natürlichen Bedürfnis entsprungen, wird sie ihreBlütezeit bei natürlicher Fortentwicklung nach Prag vor allen übrigenUniversitäten erreichen. Und nun kommt da plötzlich dieser jungeKaiser, der Sohn einer portugiesischen Fürstin, und sagt, die Geschichtegehe ihm nicht schnell genug. Mit der Wärme seines heißen Tem-peraments und dem Lichte seiner strahlenden Natur trieb er die Pflanzeempor und übertrieb sie, denn bei Maximilians Tod stand Wien wohlan der Spitze aller Kulturstätten Deutschlands, aber Ostreich nochlange nicht. Die geistige Bildung des östreichischen Volkes hatte vonden großen Erfolgen der Hauptstadt kaum etwas abbekommen. Dasöstreichische Volk war keineswegs zum führenden Volke in Deutschlandherangereift. Der geistige Bau der Hauptstadt stand ans einer Sand-nnterlage, und gerade das gereichte den Nachfolgern Maximilians zn