eigenen Weg, mächtig und unabhängig von jeder Beschränkung, ihrhuldigen die Geister, nicht ningekehrt. Die Bibel steht bei de» Er-zengnissen der neuen Kunst obenan. „Bis zum Jahre 15G» wurdedie Bnlgata beinahe hundertmal aufgelegt, und vor der Kirchentrenn-ung erschienen mindestens fünfzehn vollständige Bibeln in hochdeutscherund fünf in niederdeutscher Mundart." (S. IG) Auf S. 43 wieder-holt Janssen diese Versicherung noch einmal. Was soll das? Sindwir denn Alle ungläubige Thomase? — Das nicht, sondern da warein gewisser Luther, der auch eine Bibelübersetzung veranstaltete, später,viel später, und der mit dieser Arbeit einigermassen Erfolg hatte.Luther ist Ketzer -für den Geschichtsschreiber Janssen war er bereitsKetzer, noch ehe er ein Wort von ihm gelesen. Deshalb konnteJanssen die Wahrheit nicht mehr sehen, wie er sich vorgenommenhatte, da er mit fremden Augen sah. Und weil er mit fremden Augensah, wnrde es ihm unheimlich vor Leuten, die in der Geschichte derMensehenentwicklnng so groß und nrmächtig dastehen, wie wenigeandere. Wie nun an diese Leute herankomme»? Zu ihnen hinaufkonnte und durfte Janssen nicht, da er in fremdem Banne stand undihm der Schemel der geistigen Freiheit versagt war. So führte ihndenn sein natürlicher Instinkt dazu, diese Leute zu sich herabzuziehen,tiefer, tiefer, - so, da sind sie: vor Luther haben schon viele andereBibelübersetzungen gemacht, wie es vor Raphael schon viele andereMadonnenmaler gab. Also so gar groß sind die Leute nicht! Wirgeben Janssen nnr zu bedenken, daß es ihm passieren kann, indem eran diesen Leuten zerrt, daß er etwas ganz anderes von ihnen zusehen bekommt, als ihr Antlitz. — Janssen hat sich das nicht so ge-dacht, er fühlt sich von jeder andern Tendenz frei, aber er konntenicht anders. Der Instinkt, nicht absichtliches Bewußtsein, ließ ihndiesen Pfad betreten. Man möchte mir einwenden, ich konstruieremir hier ein Motiv von Janssens Natur zurecht, welches nicht existiert.Also die eigenen Worte Janssens her! Sie müssen uns über dieinstinktive Denkart Janssens aufklären. In seinem ersten Briefe anseine Kritiker legt Janssen seine Anschauung dar. (S. 3.) „Ich ver-urteile Niemanden, der unter dem Einfluß seiner Erziehung und desGesichtskreises, in welchem er aufgewachsen, die Begründer des Pro-testantismus noch für große, segensvolle Männer hält. Aber alsHistoriker habe ich das Recht und die Pflicht, mir ans den Quellen
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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29
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