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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
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war es natürlich, das; sie Bücher drucken ließ und Bücher kaufte. Hatdas mit der Kirche etwas zu thun? Wir glauben: nicht das aller-niindeste. Will Janssen uns denn glauben machen, daß die Buch-drnckerknnst ihren Weg ins Publikum nicht gefunden, wenn sich dieGeistlichkeit ihrer nicht angenommen hätte? Angenommen einmal,unsere Gelehrten wären damals nicht zufällig auch Geistliche gewesen,glaubt Janssen, es wäre deshalb ein Buch weniger gekauft worden,die Buchdrnckerknnst hätte deshalb eine geringere Einwirkung ans dasPublikum gehabt? lind wenn sich das keiner einreden läßt, so wirder eben sagen, nicht als Geistliche vermittelten die Geistlichen, sondernweil sie zugleich im literarischen Leben standen. — Ein zweites Mo-ment ist folgendes: die Möglichkeit vorausgesetzt, die Bnchdrnckerknnstwäre nicht damals, sondern etwa im Zeitalter der Karolinger erfundenworden, glaubt Janssen, der Einfluß der Geistlichkeit hätte hingereicht,eine „allseitige und gleichzeitige Einwirkung des Buchhandels ans dasgesammte Publikum" zu ermöglichen? Ich glaube kaum. Die Ger-manen hätten die Mönche mit samt ihren gedruckten Büchern zumTempel hinausbefördert. Also nicht die rege Beteiligung der Geist-lichkeit ist die Ursache der schnellen Aufnahme der neuen Kunst, sondernlediglich und immer wieder das bis zu dem Punkte fortgeschrittenegeistige Wachstum des Volkes, Ivo die Erfindung nicht nur notwendigund damit möglich wurde, sondern auch den Boden zu ihrer allseitigenEntwicklung bereitet fand. Wir erinnern hier nebenbei an das ein-fache natürliche Gesetz, daß keine Erfindung gemacht wird, wenn nichtihre Vorbedingungen geschaffen sind, d. h. wenn die natürlichen Um-stände nicht dazu angethan sind, ihr ein wirksames Fortleben zu er-möglichen. Wir erinnern ferner an ein zweites Gesetz, daß keineErfindung isolirt steht, sondern sich an sie stets eine für den Erfindersowohl wie seine Zeitgenossen unabsehbare Reihe von Folgen knüpft.Zu glauben also, daß die Geistlichkeit als solche die Einwirkung desBuchhandels ermöglicht habe, ist eine ebenso große Absurdität, alsder Glaube der „edleren Geister" jener Zeit, die neue Kunst sollte sichlediglich ihren einseitigen Zwecken zur Verfügung stellen.

Wir folgen dem Autor weiter. Er berichtet darüber, wie derdeutsche Buchhandel eine Fortsetzung und Erweiterung des Handschriften-Handels gewesen, wie er allmählich sich ausbreitete über ganz Europa.Also die neue Kunst hat ihr eigenes Leben in sich, sie geht ihren