Druckschrift 
Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27 —

hat, als i» dein natürlichen Wachst»»! des Voltes. Und wie diesesWachst»!» fortschreitet, so bereitet es sich die nokwendigen Mittel dereigene» Förderimg. Fst die Bnchdrnckerknnst ei» Produkt dieses Wachs-tums, so fördert sie dasselbe »»» ihrerseits »lit nrmächtiger Kraft.Wen» »»» Janssen erzählt, „daß alle edleren Geister der Zeit dieneue Kunst als ei» neues Mittel christlicher Missionsthätigkeit betrachtetwisse» wollte», die bor Allem dem Glaube», der Kirche und damitzugleich auch aller Wissenschaft und Bildung zu gute komme» sollte,so habe» wir ihm zunächst zu erwidern, daß die Schlußfolgerung „borAlle»! dem Glaube», der Kirche und damit zugleich auch aller Wissen-schaft und Bildung" eine falsche, auf jenem oben besprochenen falschenGrundsätze Janssens beruhende ist. Die Kirche war nicht mehr aus-schließliche Trägerin des geistigen Lebens, und so konnte etwas demGlanben zu gute kommen, was der Wissenschaft und Bildung absolutkeinen Vorteil brachte und umgekehrt. Diese „edleren Geister" bewegtensich also mit ihrer boreiligeu Bestimmung der zukünftigen Laufbahnder Bnchdrnckerknnst, in dem Gesichtskreise, der für sie biclleicht maß-gebend war, damit aber noch lange nicht alleinmaßgebeiid und be-stimmend für alle Zeiten und alle anderen Geister. Sic schienen Be-schlag lege» zu wollen ans eine Kunst, die nicht sie, sondern das Lebenselbst sich geschaffen hatte; sie hätte ein Privilegium werden solle» fürdie „edleren Geister", aber das Leben ist gerechter, es berteilt seineGaben gleichmäßiger »nd läßt die Sonne für Alle scheinen. Fanssenfühlt sich von jeder andern „Tendenz" frei. Wir haben ihm ver-sprochen, das glauben zu wollen. Ans Seite begegnen wir nunder ersten gesperrt gedruckten Stelle: „Fast die gesamte Bücherprodnktiondes fünfzehnten Jahrhunderts hatte in Deutschland die Befriedigungder literarischen Bedürfnisse der Geistlichkeit zum Zwecke, und nur durchderen rege Beteiligung wurde eine allseitige und gleichzeitigeEinwirkung des Buchhandels ans das gesamte Publi-kum ermöglicht." Also die Geistlichkeit war die Vermittlerin derneuen Kunst und ihrer Folgen an das größere Publikum. Es ist diezweite falsche Konsegnenz ans dem falschen Prinzip. Zunächst kommthier die rein materielle Frage in Betracht: wer tonnte Bücher kaufen ^Nun natürlich die Geistlichkeit, denn sie saß auf fester Nente. Aberauch andere kauften, so die Gelehrten. Die waren der Mchrzal nachgeistlich. Wenn aber die Geistlichkeit im literarischen Leben stand, so