späteres Alleinsrehen und Alleindenken ermöglichen sollte. Dieser Pflichtvergaß die Kirche mehr und mehr; es entwickelte sich i» ihr dasPrinzip, die Unmündigkeit der ihr Anvertrauten aufrecht zu erhalten,damit sie so im Besitze der erworbenen geistigen und materiellen Machtbleibe. Das gelang nicht. Denn mit dem Wachstum des Volkesentstanden Schulen, geistige und technische Anstalten außerhalb derKirche. Das Wachstum zur Mündigkeit vollzog sich, wenn auch ineinem weit kleineren Kreise, als es hätte geschehen sollen, dennoch undtrotz der Kirche. Das kirchliche Element trat in diesen Anstaltenmehr und mehr zurück, die Verweltlichnng der Schule schritt vorwärts,immer weiter und weiter und bereitete jene Macht, welche sich endlichstark genug fühlte, mit Positiven Forderungen an die pflichtvergesseneKirche hinanzutreten. Sie blieb starr, sie griff zu dein Prinzip derpassiven Gewalt. So kam das Unglück. In dem Kampfe gegen dieWidersachende Kirche erschöpftem sich die besten Kräfte unseres Volkes.Kräfte, welche zu positiv schöpferischer Arbeit berufen schienen, wurde»verausgabt im negativen Kampfe gegen eine dem Positiven Leben sichentgegenstellende Institution. Wohl ward der alte starre Machtbanerschüttert, in seinen Grundfesten untergraben, aber die Kraft desVolkes war verausgabt, sein Leben in der schönsten Entfaltung ge-hemmt. Eine Reformation, eine Renaissanee sollte es werden, eineRevolution ist es geworden. Aber daß es eine Revolution war, gabder Haltung der Kirche auch nicht um Nagels Breite größere Be-rechtigung.
Wie wir nun die Frage nach dem Rechte einer Gewaltthat ab-lehnen, so lehnen nur gleicherweise diejenige nach Schuld und Verdienstab. Daß ein Dummer dumm ist, ist sein Schicksal, nicht sein Verdienst,und daß in den maßgebenden und führenden Kreise» ans allen Ge-bieten damals keine größere Einsicht herrschte, war ebenso ihr Schicksal.Nach der Ursache dieses Schicksals kann man frage», und wenn mandie nächste Ursache auch darin erblicken mag, daß man der geistigenund materiellen Not des Volkes keine genügende Aufmerksamkeit undTeilnahme widmete, so lagen dieser Ursache doch nnzäligc andere zuGrunde, welche sich der Beeinflußung der damals lebenden Generationlängst entzogen hatten. Man sagt wohl, ein rechter Mann am rechtenFleck, und alles wäre anders geworden. Ganz gewiß! Aber dieserrechte Mann am rechten Fleck ist eben auch kein ZufallsProdnkt. Nur