Recht habe». Daraus folgt loieder, daß eine Religion kein Fest-stehendes, für alle Seiten (Uiltige^ sein kann, daß sie diee> nur insofernist, als sich die natürlichen Gesetze der Menschenentwieklnng in ihrwiederspiegeln; daraus focht ferner, daß jede Religion, ivelche sich alsein Festgewvrdenes in die Entwicklung der Müschen hineinzuschiebenversucht, dieser Entwicklung als geschworner Feind entgegen tritt, die-selbe wie ihren Feind behandelt, aber ebenso hinnehmen muß, wennsie von dieser Entwicklung als Feind behandelt wird, als Feind, mitdem nicht und niemals paktirt werden kann. Es bleibt also nur einsübrig: entweder die Religion, die feschewordene, aus dem Stadiumdes ewig Fließenden herausgetretene, bequemt sich in diesen Flußwieder hinein zu treten, oder aber sie stellt ihre Forderung ein, dasstaatliche und gesellschaftliche Leben nach ihren Gesetzen zu regeln.Dhnt sie weder das eine noch das andere, so beginnt der Kampf,der unerbittliche und rücksichtslose Kampf des Lebens gegen die er-starrte Religionsform, ein Kampf, der nicht anders enden wird, bisdiese Form in Trümmer geschlagen ist. Statt der Reformation inder Kirche kommt es zur Revolution gegen die Kirche, unter der wireine gewaltsame Umänderung der bisherigen Lebensverhältnisse ver-stehen, aber dadurch, daß sich dieser notwendig gewordenen Umbildungund Nenschöpsnng das Element der Gewalt beimischt, verliert jene ansich nicht ein Atom ihrer natürlichen Berechtigung. Dadurch also,daß ich eine Reformation eine Revolution nenne, ist noch nichts ge-schehen, sondern der Umbildnngsprozcß nnr in seiner äußeren Erschei-nungsweise charakterisiert. Dadurch, daß ich sage, da und da hateine Revolution stattgefunden, bestätige ich nnr, daß eine Reformationunmöglich war, denn Ivo diese sich hätte auf natürlichem und ruhigemWege vollziehen können, wäre es nicht zur Gewalt gekommen. Nunaber trägt auch die Gewalt ihren doppelten Charakter, sie ist einerseitsaktiv, anderseits passiv. Die letztere stellt sich ans den Standpunkt,daß sie sagt: das habe ich und behalte ich; Wer will es mir nehmen tzDemgegenüber sagt die aktive Gewalt: ich nehme es. Der Kampfist da, und es ist ein müßiges Treiben, darüber simulieren zu wollen,wer von den beiden Gewalten Recht hat. Gewalt hat nie Recht;sie ist nnr das rohe Mittel, welches die Natur, nicht die Kultur, diesich ans das „Recht" gründet, dem Barbaren in die Hand gibt. DasRecht des Stärkeren ist ein Naturgesetz, welches keine Knltnr ans der
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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