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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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Theologie ei», es beginnt auf Grund dieser Erfahrungen ein selb-ständiges Denken, die wissenschaftliche Thatsachenforschnng setzt ein,die sich durch keinen Gottglanben, durch keine ans ihm gezogenenKonsequenzen in ihrem Fortschreiten beirren und hemmen läßt. DieReligion verliert somit ihre alte ausschließliche Herrschaft mehr undmehr, sie büßt ihre Universalmacht ein und sieht sich immer mehr ansjene Kreise beschränkt, in denen sich der Umivandlnngsprozeß vonGemüts- zum Verstandeslcben, von der Kindheit und Jungfräulichkeitzum ManneSaltcr noch nicht vollzogen hat. Eine konsequente Ver-folgung dieses Entivicklnngsprinzipes würde die Religion mit der Zeitunbedingt zur Privatsache machen, aber dieser Theorie steht die Praxisder Entwicklung im Völkerleben insofern entgegen, als es erstens stetswieder zu dem Versuche kommen wird, dem Begriffe „Religion" einenneuen Inhalt zu geben, und es zweitens bis heute noch Völker undgroße Volksbrnchteile gibt, in denen sich jene Umwandlung nicht voll-zieht, die ans der Kindheitsstnfc haften bleiben, die in Folge ihrerLebensbedingungen nnd den damit verbundenen Lebenshantiernngenmit ihrem Denken in der Sphäre der Naivität verharren. Ruf diesemGesetz beruht die Lebenskraft jeder Religion.

Es ist nun keineswegs gesagt, daß alle ans jener früherenEpoche überkommenen Lehrsätze, namentlich die moralischen, ans daswirkliche Leben bezüglichen, ihre Gültigkeit nnd Wirksamkeit dort ver-liere», Ivo sich jener Umivandlnngsprozeß in der Denkart vollzogenhat, allein sie behalten diese Giltigkeit nnr, insoferne sie das Ergebniseiner ungetrübten natürlichen Anschauung sind, da auch an diesen vonnaiven Augen ans dein Lebensbnche der Natur abgelesenen Gesetzendie Wissenschaft nicht vorbei kann. Diese aber steht auch mit jenenGesetzen keineswegs in Widerspruch, kann nie mit ihnen in Wider-spruch stehen, da sie mit diesem Widerspruch an den eigeneil Lebens-bedingungen rütteln würde. Nun aber ist eine Religion keineswegsnnr das Resultat einer naiven Anschauung, sondern sie hat Znsatzeerfahren und erdulden müssen, welche ihr den Charakter eines fürallezeit Feststehenden entzogen haben. Ans der Zeit, ans ihren Ver-hältnissen nnd Wandlungen stammen diese Znsätze, waren also für dieZeit nnd ihre Verhältnisse berechtigt, verlieren aber ihre Berechtigungin andern Zeiten und bei andern Verhältnissen, welche nach ihrenBedingungen sich entwickeln nnd sich zu entwickeln das unbestreitbare