klar, daß er da» der Gesinnung der Genossen Böhmers, so des Ln-zerners Enthchins .stiopp, des Schaffhanseners Friedrich Hnrter »ndAnderer nicht unberührt blieb, Kürz, es sind die Nomantiker, zu denenJanssen hier in Beziehung trat. Stellung und Neigung hatten ihmzu ihnen die Bahn geebnet. Janssen aber war zugleich Mitglied einerjüngeren Generation, welche mit dem Worte „Realismus" eine kräftigeund lebendige Idee verband. In diesem Worte drückt sich dasGlaubensbekenntnis dieser Generation ans. So stand Janssen amScheideweg. Gntwcder Romantiker oder Realist! Cr entschied sichfür keines von beiden: Vorbildung, Lebensansfassnng »nd Stellunghielten ihn in der älteren romantischen Anschauung gefangen, währendsein eigenes natürliches Temperament ihn zum Realismus trieb. Crversuchte es mit einem Mittelding, welches seiner Zwitterstellnng ent-sprach. Wäre nun diese Cntscheidnng an Janssen herangetreten, alser selbst noch im Werden stand, er hätte sich unbedingt für das Cineoder Andere entschließen müssen. Aber Janssen war bereits fertig.Nur weil Janssen sich bereits entschieden hatte, ehe dieses Probleman ihn herantrat, vermochte er es scheinbar zu losen, den» es warkein Problem mehr für ihn. So kam es, daß Janssens Vorliebe fürdas kulturgeschichtliche Element nicht zu einer großen und bedeutendenEntwicklung kam, daß er an jenem großen realistischen Problem, daßdie .Kulturgeschichte eines Volkes seine Naturgeschichte, die Geschichteseiner natürlichen Entwicklung sei, vollkommen vorbeiging. Die ro-mantische Kost hatte ihm den Sinn für diese Auffassung, der ursprüng-lich in seiner Natur zur Entfaltung strebte, total ruiniert. Er sah sichdiesen Fragen, welche alle Geister bewegen, gegenüber ans dasRezept seiner romantischen Schule angewiesen; mit den Mitteln derScholastik glaubte er diesen Völker bewegenden Fragen der NeuzeitHerr werden zu können. Es war ein Irrtum, der seiner Zwitter-stellnng entsprang. Eine Mittelstellung zwischen Romantik und Rea-lismus ist ein Unding, sie führt nie zu einem gesunden Ergebnis, sowenig wie ein Bad in Glut und Kälte, dem Körper zur Hälfte appli-ziert, zu einem gesunden Ergebnis zu führen vermag. Eine Höher-stellung aber über deu beide» Staudpuukten, welche eine Versöhnungbeider Gegensätze in einer höheren Einheit ermöglicht hätte, vermochteJanssen deshalb nicht mehr zu erreichet!, weil er fertig warst bevordieser Gegensaß an ihn herantrat. So war Janssen trotz des Dranges
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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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9
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