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bietung aller Kräfte gelang es, das Feuer hier zu dämpfen, und so der Stadt eins ihrer schönstenBaudenkmäler zu bewahren.
Ein Heiligeustädter Kind, der kurmainzische Präsident des Hofkriegsrats, Geheimsekretärdes Kurfürsten und Reichsarchivar Carl Herwig von Zwehl, bekannt durch seine bedeutsamepolitische Rolle, die er beim Zusammenbruch des alten Kurstaates spielte, berichtet in seinerhöchst interessanten Selbstbiographie ausführlich über dieses Brandunglück. Er schreibt u. a.:
„Mein Vater, *) der gerade vom Kurfürsten zur Lokalkommission nach Fritzlar in Hessengesandt war, als dieses damals kurmainzische Amt neu organisiert und die bürgerlichen Be-schwerden in der Stadt gehoben werden sollten, hat bei diesem Brande sehr grossen Schaden er-litten. Zwei ererbte Häuser in der Altstadt waren sein Eigentum. Beide waren während seinerMinderjährigkeit sehr vernachlässigt worden, daher hatte er sich entschlossen, das Eckhaus,welches er sich zur selbsteigenen Wohnung bestimmt hatte, kurz vor dem Brande grösstenteilsniederzureissen und neu aufzubauen. Anfänglich hatte die dazwischen hegende Strasse das Feuerabgehalten, allein da in der Nacht der Wind sich nach Ost gewendet und das Feuer die an-stossenden Häuser ergriffen hatte, so war auch dieses in Feuersgefahr.
„Meine Mutter, Tochter des zu Treffurt lebenden mainzischen Amtmanns und VicedomHeiland, suchte in Abwesenheit meines Vaters Hilfe und Beistand zur Rettung ihres Hauses beiihrem Schwager, dem Regierungsrat Teizel. Allein die allgemeine Zerstörung hatte, wie es schien,auch den Menschenverstand zerrüttet. Der benannte Regierungsrat erklärte nämlich meinerMutter: „Dieser Brand sei eine Strafe Gottes, sein Haus sei bereits abgebrannt, und so würdeund müsste auch ihr Haus abbrennen!" •— In diesem trostlosen Zustande entschloss sich meineMutter, ihre besten Gerätschaften, Papiere, Bilder, Kleider und Weisszeug ausserhalb der Stadtin Sicherheit zu bringen; dies wollte sie durch die beiden Kutschpferde bewerkstelligen, welchemein Vater zu seinem persönlichen Gebrauche im Stalle hatte. Sie füllte also soviel als möglichKasten und Kisten mit ihrem Mobiliarvermögen, packte zum Glück meines Vaters Papiere ineinen Tragkorb, befahl dem Kutscher, die gefüllten Kasten auf einen Wagen zu stehen und allesauf das Zwehlsche Gut nach Uder zu führen. Sie nahm hierauf, noch ehe die Flammen ihrHaus ergriffen hatten, meine drei ältesten Geschwister an die Hand und wandelte mit diesen undeiner Magd, die den Korb mit den Papieren trug, in der Nacht zu Fuss zum Thor hinaus nachUder. Der Kutscher flüchtete hierauf mit Hülfe des Knechtes das Rindvieh und die Schafe inden sogenannten Teichgarten meines Vaters vor der Stadt, aus welchem sie hiemächst gestohlenworden sind. Nach seiner Rückkehr spannte er die Pferde vor den Wagen, um nach dem Befehlmeiner Mutter die eingepackten Kasten aufs Gut nach Uder zu fahren. Allein, hier gab ihmseine Unvernunft den Rat, die gefüllten Kasten grösstenteils wieder auszuleeren und mit Haferfür seine Pferde zu füllen. Bei seiner Ankunft in Uder hatte also meine Mutter den Verdruss,zu hören, dass auch diese Sachen, worunter Silber und Pretiosen waren, durch die unbegreiflicheDummheit dieses Menschen verloren und zu Grunde gegangen waren. Dieser A^erlust hat meineMutter, wie sie mir oft weinend geklagt hat, mehr als das abgebrannte Haus geschmerzt.
„Auch ich habe bei dieser Auswanderung aus der Stadt folgendes sonderbare Schicksalgehabt. Als ein zweijähriges Kind sollte mich die Kindsmagd auf dem Arm nach Uder tragen.Unterwegs, auf dem Altstädter Kirchhof, wo sich viele unglückliche Menschen versammelt hatten,fällt ihr ein, noch etwas Vergessenes für mich aus dem noch nicht abgebrannten Hause zuretten; sie eilt allein zurück, übergiebt mich inzwischen einer anderen Person, diese wieder eineranderen, so dass ich endlich den zum Brandlöschen in die Stadt gekommenen Bauersleuten indie Hände komme, die nicht wissen, wem ich zugehöre, und mich daher mit auf das Land inein Dorf nehmen, wo ich drei Tage nach dem Brande in dem zwei Stunden von der Stadt ent-
*) Späterer Bürgermeister von Heiligenstadt Herwig von Zwehl (1700 bis 1760).