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In der Stadt waren an Truppen kaum 200 Golzsche Fusssoldaten, die den Reitern beiihrer Flucht nicht hatten folgen können, zurückgeblieben. Mit diesen besetzte Zwelil die Tlioreund liess unausgesetzt auf den Feind feuern, wobei eine grosse Anzahl verwundet und getötet,auch dem General Löwenstein ein Pferd unter dem Leibe erschossen wurde.
Löwenstein, auf einen derartig energischen Widerstand nicht gefasst, sah ein, dass erohne Geschütz die mit doppelter Ringmauer versehene und von kundiger Hand verteidigteStadt nicht nehmen könne, auch mochte er die Besatzung für stärker halten, als sie in Wirklich-keit war. Er zog sich daher am andern Morgen unter starkem Verlust zurück.
Herzog Wilhelm war nun auf das Aeusserste erbittert. Er versprach demjenigen, derihm den Landschreiber Zwehl tot oder lebendig ausliefere, 1000 Reichsthaler. 1 ) Das Löwen-steinsche Corps liess er auf 4000 Mann verstärken und mit 5 Kanonen ausrüsten. Am 28. Maierschien Löwenstein von Neuem vor der Stadt und begann eine förmliche Belagerung. Er umgabdie Stadt mit einem dichten Ring, um ihr jegliche Zufuhr abzuschneiden, liess die ausserhalbder Tliore gelegenen Gebäude, das Hospital, die dem Landschreiber von Zwehl gehörigenPapier- und Leine-Mühlen, sowie die Ziegelhütte abbrennen. Hie Kanonen fuhren auf der Höhezwischen den Wegen nach Geisleden und Beuren auf und schössen von hier aus gegen dieStadtmauer, um Bresche zu legen. Dank der Tapferkeit seiner Bewohner widerstand Heiligenstadt,trotzdem es nicht mit Geschützen armiert war, zwei Tage lang dieser harten Belagerung. In derNacht vom Plingstsonntag auf Pfingstmontag wagte Zwehl mit achtzig der beherztesten Leuteeinen Ausfall und versuchte den feindlichen Belagerungsring zu durchbrechen, doch vergeblich.Zu dieser Zeit waren viele Landleute in der Stadt zugegen, die wahrscheinlich des Pfingstfesteswegen dahin gekommen waren. Hierdurch wurden binnen Kurzem die Lebensmittel sehr knapp,und man entschloss sich daher, da eine Hungersnot auszubrechen drohte, die Stadt am 30. Maizu übergeben.
Das über Heiligenstadt hereinbrechende Strafgericht war, der Sitte der damaligen Zeitentsprechend, sehr hart. Bei der durch die rohe Soldateska vorgenommenen Plünderung wurdeein grosser Teil der Einwohner schwer misshandelt und getödtet. Die Stadt musste 6000 TiialerContribution bezahlen; vier Stiftsherren, den gerade anwesenden Abt Philipp von Reifenstein, denBürgermeister Georg Schmidt, den Ratsherrn Zachäus Engel, den Dr. Schaumberger und nocheine grosse Anzahl angesehener Bürger liess der schwedische Kriegscommissar Lorenz Krämer inHaft nehmen und über Mühlhausen nach Erfurt führen.
Das härteste Schicksal hätte unzweifelhaft den Landschreiber Zwehl getroffen. Umdiesem zu entgehen, verbarg er sich unter dem Dache der Annenkapelle auf dem AltstädterKirchhof. Um dahin zu gelangen, musste er, da keine Treppe vorhanden war, vermittelst einerLeiter durch das daselbst befindliche runde Loch kriechen. An diesem Ort hielt er sich mehrereTage und Nächte versteckt und wurde während dieser Zeit von seinem treuen Diener David, derihm später nochmals das Leben rettete, mit Speise und Trank versehen. Die Schweden fahndeteninzwischen eifrig auf ihn. In dieser grossen Not flehte Zwehl, der katholischen Sitte gemäss,zu den vierzehn Nothelfern und that das Gelübde, ihnen einen Altar zu errichten, wenn ei-sernen Feinden glücklich entränne. Dann färbte er sich seinen roten Bart schwarz, zog einenBauernkittel an und kam in dieser ATrkleidung glücklich durch die schwedischen Wachen ausder Stadt. Beinahe wäre er indessen durch einen Mühlliauser Bürger, der gerade Schildwachestand, erkannt; dieser rief ihm zu: „Wenn Du keinen schwarzen Bart hättest, glaubte ich, Duwärest der rote Zwehl." Nach seiner Flucht begab sich Zwehl zur kaiserlichen Armee, wo erzunächst im Pappenlieimschen Reiterregiment eine Rittmeisterstelle erhielt.
') S. Urk. Nr. VI.