Gleich über dem Altar baut sich der Aufsatz mit einer mächtigen Hohlkehle nach vorn undbeiden Seiten aus. Die Hohlkehle hat vorn in der Mitte ein flach gewölbtes Feld, auf dem sichein altes Gemälde, darstellend die Grablegung Christi, befindet; sonst ist die ganze Hohlkehle miteinem flachen, ausgegründeten Ornament verziert. Ueber der Hohlkehle liegt eine kräftige Platte,mit einzelnen kleinen Quadern darauf, über der sich 3 volle Etagen aufbauen, je mit Postament,4 Säulen ersetzenden Heiligen (Aposteln) und vollständigem Gebälk. Jede Etage hat sehr reichenfigürlichen Schmuck und wird durch 4 Apostel in 3 Abteilungen geteilt. Die untere Etage hatin der mittleren Abteilung ein figurenreiches Bild, darstellend die Anbetung des Jesuskindes durchdie heiligen 3 Könige, im Hintergrunde eine Stadt (Jerusalem), davor steht ein Crucifix mit3 weiblichen Figuren (Maria, Magdalena und Anna). Zu beiden Seiten dieses Bildes befindet-sich folgende Aufschrift:
Devin adora Gott des Herrn lob zu uermehren,
Sanctos honora Sol man seine Heiligen ehren,
Divos imitare Ine aber anbeten allein,
Ecclesiae pare. Wie die Vätter vnd Kirchleren sein.
Beide Seitenfelder enthalten je drei Figuren der Kothelfer. Die 4 die Säulen ersetzendenApostel stehen auE hohen, mit Flachornament verzierten Postamenten mit Mittelquadern; das Gebälkdarüber geht ununterbrochen über den ganzen Aufsatz. Der Fries ist einfach verziert, darüber liegtein sehr kräftiger Eierstab unter der Deckplatte. Die beiden oberen Etagen haben die ganze Mittel-partie zurückgekröpft, wodurch der Gesammteindruck ausserordentlich an Kraft und Leben gewinnt.
Die mittlere Etage zeigt, wie die untere, in jedem Seitenfelde die Figuren von drei Not-helfern. Im zurückliegenden Mittelfelde befindet sich in tiefer, mit Halbkreisbogen abgeschlossenerNische, jene, unter dem Namen „Heilig Selbdritt' 1 bekannte Darstellung: Die hl. Anna in sitzenderStellung, links ihre Tochter, die Gottesmutter (in einem aufgeschlagenen Buche lesend), rechts dasJesuskind auf ihrem Schoosse haltend. Die vordere Umrahmung dieser Nische ist reich ornarnentirt,auch der Fries im Gebälk selbst erhält durch einen leichten Zahnschnitt eine kräftige Wirkung.
Die oberste Etage setzt seitlich bedeutend zurück, fast um das halbe Seitenfeld der darunterliegenden Etage; auch sie enthält die Muttergottes mit dem Jesuskinde, aber stehend dargestellt. Dieschmalen Seitenteile beherbergen nur je einen Nothelfer, womit die Gesammtzahl 14 erreicht wird.
Ueber dem Gesims erheben sich noch 3 ornamentale Postamente; über dem mittelstensteht das Crucifix. Seitlich ist am ganzen Aufbau der Uebergang zur Wand durch reiche, ansBarocke anklingende Schnitzereien bewirkt.
Bedauerlich ist, dass die Aussicht auf den interessanten Altar durch einen geschmacklosunmittelbar davor gebauten sehr gestört wird.
Den Vierzehn Nothelfer-Altar hat Johann von Zwelil (1580—1652) ums Jahr 1637schnitzen lassen. Die Veranlassung hierzu gab folgende Episode aus dem Dreissigjährigen Kriege.
Gustav Adolf hatte seinen Siegeszug in Deutschland begonnen und den mit ihm ver-bündeten protestantischen Fürsten Gebietsteile der eroberten Länder versprochen. Dem HerzogWilhelm von Weimar, Bruder Herzog Bernhards, wurde das zum damaligen KurfürstentumMainz gehörige Eichsfeld zugesichert. Im Februar 1632 eroberte Herzog Wilhelm zunächstDuderstadt, das sich seiner vorzüglichen Lage wegen zu einem Waffenplatz ersten Ranges eignete.Der kurfürstliche Statthalter Friedrich von Westphal wurde gefangen und auf die Cyriaxburgnach Erfurt gebracht. Jetzt war Zwehl als Geheimrat, Schultlieiss und Landschreiber 1 ) der
0 Der Landschreiber, Kämmerer, Camerarius, Kammermeister war der erste Kameralbeamte einer Provinz.Er war vollkommen selbständig, stand nicht unter dem Statthalter, sondern empfing seine Befehle direct von der Hof-kammer. Er bekleidete meistens auch eine der höchsten Hofchargen. Die Geschäfte des Landschreibers bestandenausser seiner polizeilichen Thätigkeit, in der Beaufsichtigung und Leitung der fürstlichen Güter, der Einbringung derherrschaftlichen Gefälle, Zinsen, Zehnten, der Verwaltung der Jagdeinkünfte, der Strassen und der übrigen Regalien.