Neberführung des Grafen Herbert nach Pont ü Mousfon und Nauheim, 195
Vorräthe da. Als mein Vater ihn auf das zahlreiche den Hof erfüllendeGeflügel hinwies, rief er aus: „Das ist fremdes Eigenthum. Wir sind hiernur im Gastrecht, und aller fremde Besitz muß uns heilig sein." MeinVater erwiderte: „Nun ist es doch einmal gut, daß ich General bin. Alssolcher befehle ich Ihnen, sofort alles Geflügel schlachten zu lassen, das Ver-wendung finden kann." Mit einem tiefen Seufzer fügte Dies sich diesemBefehl.
Ich hatte noch eine schlechte und unruhige Zeit und hörte auf meinemSchmcrzenslager den Donner von St. Privat und Gravelotte, bis der vonmeinem Vater mit Mühe aufgetriebene einspännige Planwagen mich aufnahmund Schritt vor Schritt in achtstündiger Fahrt nach Pont ü Mousson brachte.Das dortige Quartier war schön und geräumig. Ich war 24 Stunden ganzallein darin, bis mein Vater mit dem Hauptquartier von den Schlachtfeldernzurückkam. Die nächsten Tage waren für mich recht interessant; ich hörteviel und sah mancherlei Besucher, unter Anderen auch den immer liebens-würdigen Kronprinzen, welcher voller Theilnahme zu mir kam. Als dasgroße Hauptquartier am 23. August weiter vorrückte, zunächst nach Commercy,war für mich kein Bleiben mehr. An Stelle meines Vaters hatte sich einsogenannter Liebesonkel in das schöne Quartier gesetzt. Niemand kümmerte sichmehr um mich, und der einzig zu meiner Pflege zurückgebliebene Dienermußte Stunden lang im Orte suchen, um mir ein Stückchen Fleisch oderBrot zu verschaffen. Ich erbat deshalb möglichst schnelle Evakuirung, umrasch nach Nauheim zu meiner Mutter zu gelangen. Am Vormittag des25. wurde ich in einem endlosen Zuge in einem Viehwagen neben den durchden Hals geschossenen Oberst Grafen Kanitz gebettet.
Es ist häufig Verwunderung ausgesprochen, weshalb nach unserer Attackedie Französische Infanterie, wohl über 4000 Manu, nicht wieder vorrückte,sondern stehen blieb und sich schließlich rückwärts konzentrirte. Die Fran-zösischen Heerführer sollen geglaubt haben, daß wir nur die Spitze des imAnrücken befindlichen Gardekorps gewesen seien, während thatsächlich keinManu Reserve hinter uns stand. Mir ist später gesagt, der feindlichen In-fanterie seien die Patronen knapp geworden, weil sie sich bei dem rasendenohne Kontrolle und ohne Kommando auf unsere Attacke gerichteten Schnell-feuer verschossen hätten. Jedenfalls erreichte unser Eingreifen mehr, als manje erhoffen konnte, nämlich, daß das Französische Vorgehen zum Stehen kam,