Druckschrift 
Schönhausen und die Familie von Bismarck
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

Christoph v. Bismarcks Tagebuch.

63

oder auf dem Rücken eingebracht. Was für ein jämmerlicher Zustand aufdem Lande und in den Dörfern geherrscht hat, ist nicht auszusprechen. Zusolchem Unglück kam die Pest hinzu, welche die vor dem Krieg stark bewohnteGegend noch mehr entvölkerte, außerdem Mäuseplage und Raupenfraß.General Gallas hat mit seiner Verwüstung und Einäscherung des schönenHauses zu Crevese, welches der unmündige Pantaleon v. Bismarck mit großerMühe und vielen Kosten kurz zuvor erst wieder rcctificirt und unter Dach ge-bracht hatte, sich ein ewiges Gedächtniß gestiftet.^) Das Haus zu Briest warvom Obersten Münster zur Logirnng seines Regiments genommen und vollendsdevastirt worden. Wie es allda von diesen Heuschrecken gewimmelt und wasfür unerhörte Thatsachen sich begeben haben, ist nicht zu erzählen. Die grau-same Hungersnot!) unter der gemeinen Soldateska ist aus dieser einenunerhörten Thatsache abzunehmen, daß ein Soldat nach Absterben seinesWeibes dem Kinde, so seinem Vorgeben nach auch todt gewesen, aus Mangeldes Messers mit einem spitzigen Nagel den Bauch aufgerissen, Herz, Lungeund Leber herausgerissen und roh gefressen hat, wie er denen zugestanden,welche sein blutig Maul gesehen. Des abscheulichen Aasfressens ist keinAufhören gewesen. Aus den garstigen Pfützen ist das Vermoderte hergesuchtund Fleisch und Eingeweide der hingefallenen Pferde von den Soldatenweibernöffentlich verkauft und kein Hund oder Katze verschont worden. Diese gewalt-same Einquartierung und Verheerung hat dem Römischen Reich zu garkeinen Nutzen gereicht. Vielmehr sind dadurch die Kaiserlichen und SächsischenArmeen nebst den brandenburgischen Völkern nur vollends ruinirt worden,so daß die Soldaten häufig davongelaufen und die gar Abgematteten vorHunger gestorben sind. Die Unsicherheit hat so überhand genommen, daßsich kein Bürger oder Bauer auf der Straße hat sehen lassen dürfen."

Gegen Ende des Jahres 1638 verlegte Gallas, durch das zunehmendeElend zum Abzug gezwungen, sein Hauptquartier nach Jerichow. Erst am

") In der Leichenpredigt auf Pantaleon 1647i heißt es:Er hat die große Ver-änderung des Hauses Crevese ansehen müssen. Vorher haben seine Vorfahren ein gutesgeruhsames Leben ihrem Stande gemäß führen können an diesem Orts. So aber hat ersehen müssen, wie sein Vater kurz vor seinem Tode sts 1636) beraubt, nackt ausgezogen,gejagt und geplagt worden, wie 1638 sein wohl erbautes Haus von den Kriegshaufen inBrand gesteckt und zum Steinhaufen verwandelt worden ist, und wie weder auf demHause noch im Dorfe ein einziger Mensch in geraumer Zeit zu finden gewesen, daß auchnicht so viel übrig blieb, um einen Hund zu sättigen."