— 46 —
ganz ansehnlich begütert; wahrscheinlich wurde er im Kloster Kütibegraben x ). Die Tradition verwechselte ihn eben einerseits mit seinemBruder Lütold, der wohl als Predigermönch in Zürich gestorben ist,während anderseits die Erinnerung an seinen Neffen Lütold, UlrichsSohn, der sich Ende des Jahrhunderts in Zürich niederliess, ebenfallsEinfluss auf die spätere Sagenbildung hatte.
Ueber die unmittelbaren Folgen der Fehde haben wir leider keinezuverlässigen Nachrichten. Als Resultat ist wohl abzunehmen, dass dieFreiherrn die Rechte Graf Rudolfs in gleichem Umfange, wie die derKiburger gewesen, anerkannten und Zürich gegenüber sich verpflich-teten, die Stadt nicht mehr schädigen zu wollen, wahrscheinlich auch,für verübten Schaden Ersatz zu zahlen. Wie es scheint, besserten sichdie gegenseitigen Beziehungen der ehemaligen Feinde auffallend raschwieder, und es tritt bald ein freundlicher Verkehr der Freiherrn mitden Zürchem sowohl, wie mit Rudolf, wieder ein 2 ).
Auf jeden Fall aber giengen die Freiherrn aus dem Kampfe ge-schwächt an Ansehen und Macht hervor. Ihre Blütezeit ist nun vor-bei, allmählich sinkt das hohe Geschlecht. Ein Gut um das anderemuss von jetzt ab verkauft werden, damit die Herren ihre Schuldenbezahlen und noch standesgemäss leben können. Und nach sechs Dezen-nien etwa ist dieser Anflösungsprozess schon vollendet: die mächtige,ausgedehnte Herrschaft ist in die verschiedensten Hände gefallen, dieehemaligen Eigentümer derselben sind verarmt und teilweise ver-schollen.
Peinlich ist es, diesen stetigen, unerbittlichen Niedergang desGeschlechtes mitanzusehen.
Lütold VI., der sich nun der ältere, senior, nannte, da sein BruderUlrich einen Sohn besass, der ebenfalls Lütold hiess, sah sich imJahre 1269 veranlasst, ein wichtiges Stück seines Gebietes zu ver-äussern. Im Herbste dieses Jahres weilte er auf der Burg Klingnau,dem Sitze des Edeln Walther von Klingen. Hier verkaufte 3 ) er am
') Vgl. unten pag. 51.
3 ) Ende 1272 oder im Laufe des Jahres 1273 bezeichnet nämlich GrafRudolf in einem Vertrage mit Graf Meinhart von Tirol die beiden BrüderLütold und Ulrich neben andern hohen Herren als seine Bürgen (Kopp,E. B. II,i, pag. 728). — Am 25. Januar 1274 weilt Lütold an der HofstattKönig Rudolfs zu Zürich (Guden, Dipl. I, pag. 755).
') Cop. Buch Beuggen, fol. 166.