Das Jahr 1218 brachte unsern Landen eine wichtige Veränderung.Mit Berchtold V. starb das Haus der Herzoge von Zähringen aus, unddamit war ein grosser Teil der Schweiz von dem drohenden Schicksalebefreit, in ein erbliches Fürstentum des mächtigen Herzogsgeschlechtsverwandelt zu werden. Wie andere vornehme Geschlechter der Gegendtraten jetzt wohl auch die Regensberger in Teile der frühern ZähringischenMacht ein 1 ). Hätte Lütold IV., der schon vorher nach einer Rang-erhöhung gestrebt, noch längere Zeit gelebt, so wäre es ihm vielleichtgelungen, den früher missglückten Versuch jetzt erfolgreich durch-zuführen. Aber im selben Jahre, wo sein Gebieter das Leben verliess,schied auch er aus der Zeitlichkeit. Er begab sich nämlich iiber's Meernach Palästina, woselbst ihn schon im November 1218 zu Akko derTod hinwegraffte 2 ). Was ihn zu seiner Fahrt bewogen, ist nicht sicher;vielleicht, dass ihn nur der allgemeine Wunsch seiner Zeit beherrschte,das heilige Land einmal zu betreten s ). Aus der Gründungsgeschichtevon Rüti hören wir, dass der Freiherr noch im fernen Osten seinesKlosters gedachte und ihm »100 Mark reinen Silbers und ein silbernesvergoldetes Weihrauchfass mit einem Steine von grosser Kraft« sandte.Noch lange erhielt sich sein Audenken in seiner Stiftung.
Lütold V.
Die Herrschaft des in Palästina verstorbenen Lütold IV. wurdenun von dessen Sohne, Lütold V., angetreten. In unruhiger Zeit ge-langte er in den Besitz seines reichen und mächtigen Erbes. KaiserFriedrich II., von dem man sich so viel versprochen hatte, weilte meist
') Vgl. hierzu pag. 9, Anm. 18.
3 ) In der Urkunde Lütold V. vom 6. Mai 1219 (Z. U. B. I, Nr. 391)wird er einfach als in Palästina verstorben erwähnt. Nach dem Necro-legium von Einsiedeln (Mon. Germ. Hist. Necrol. germ. T. I, pag. 363):November, Lutoldus de Regensperg, nobilis, qui fundavit Rüte. Ceno-bium Vare nobis subjecit (Irrtümliche, wohl später hinzugefügte Bemerkung).Nach dem Cartular von Rüti starb Lütold am 16. November 1218.
'i Vögelm führt dazu eine weitere Vermutung an: Lütold sei imInteresse des Premonstratenserordens, dessen Regel ja in dem neuen Klostergalt, nach Palästina gereist. Doch scheint mir dies nicht wahrscheinlich,da Ltitold sich nirgends mit dem Orden in so enger Beziehung zeigt undbesonders, da das Cartular von Rüti nichts davon erwähnt, während esdoch gewiss nicht versäumt haben würde, ihm dies zum Ruhme anzurechnen,wenn jene Gründe ihn zu seiner Reise bewogen hätten.